Ein gelber Vogel auf einem Ast mit rosa Knospen

Warum Chrrp so nostalgisch gut ist

Seit gut einer Woche bin ich Fan eines neu­en Social-Media-Netzwerks. chrrp​.eu hieß zuerst twttr​.eu und wur­de von Jan Kus aus Köln als April­scherz zusam­men­ge­vi­be­codet. Der Prompt lau­te­te wohl (in der Kurz­fas­sung) so oder so ähn­lich: „Baue mir das Twit­ter von 2007!“ Das Gan­ze eher aus einer Lau­ne her­aus als mit gro­ßem Pro­dukt­plan. Rund um mei­nen Lieb­lings­pod­cast Haken dran gab es dazu schon ein paar Infos, und wie so oft bei sol­chen Netz­phä­no­me­nen ist aus dem Witz ziem­lich schnell etwas gewor­den, das mehr ist als nur ein Gag.

Es ist wie damals

Für mich fühlt es sich erstaun­lich stark nach Twit­ter 2007/2008 an. Nicht nach dem spä­te­ren, gro­ßen, lau­ten Twit­ter, son­dern nach der frü­hen Ver­si­on: über­schau­bar, ein biss­chen unfer­tig, sehr direkt. Es sind nur weni­ge Leu­te dort, man kann die Public Time­line tat­säch­lich kom­plett nach­le­sen, vie­le bekann­te Namen von damals sind dabei – und es gibt nur 140 Zei­chen. Allein das ver­än­dert schon den Ton.

Das erzeugt bei mir ein fast hei­me­li­ges Gefühl. Nicht, weil ich glau­be, dass wir die Zeit zurück­dre­hen kön­nen. Son­dern weil Chrrp für einen Moment an eine Form von Social Media erin­nert, die über die Jah­re ver­lo­ren­ge­gan­gen ist: klei­ner, per­sön­li­cher, weni­ger auf Reich­wei­te getrimmt.

Screen­shots mei­nes Pro­fils vor (24.03.2026) und nach (31.03.2026) der Umbenennung

Ich mer­ke auch, wie gut es mir gefällt, in einem klei­ne­ren, ver­meint­lich geschütz­ten Raum zu kom­mu­ni­zie­ren. Nicht geschützt im ech­ten Sinn, aber sozi­al doch anders auf­ge­la­den. Man schreibt locke­rer, bei­läu­fi­ger, weni­ger mit dem Gefühl, dass immer poten­zi­ell das gan­ze Inter­net mit­liest. Die­se klei­ne Bubble, in der man sich unter sei­nes­glei­chen wähnt, war eben nie nur ein Neben­ef­fekt frü­her Netz­wer­ke, sie war ein zen­tra­ler Teil ihres Rei­zes. Viel­leicht erklärt das auch, war­um sich Social Media seit Jah­ren immer stär­ker in Rich­tung Grup­pen, DMs und klei­ne­re Com­mu­ni­ties bewegt, weg von der gro­ßen öffent­li­chen Time­line, hin zu Räu­men, die sich wie­der beherrsch­bar anfühlen.

Wohin geht die Reise?

Was aus Chrrp wird, ist offen. Schön wäre, wenn es nicht nur ein April­scherz blie­be, der am 2. April wie­der ver­schwin­det, so wie Jan Kus es bis­lang kom­mu­ni­ziert. Gleich­zei­tig ist klar: Dau­er­haft lässt sich so etwas nicht als One-Man-Show und ohne Finan­zie­rung betrei­ben. Und wenn Chrrp mehr sein soll als ein sym­pa­thi­scher pro­of of con­cept, wird auch die Fra­ge nach der Anbin­dung an ein grö­ße­res Netz­werk wich­tig. Ich fän­de Acti­vi­ty­Pub sehr char­mant, Jan scheint eher mit dem AT-Protokoll zu liebäugeln.

Ich bin gespannt, wie es wei­ter­geht. Denn selbst wenn Chrrp klein bleibt, erin­nert es gera­de an etwas, das vie­le gro­ße Platt­for­men längst ver­lo­ren haben: dass sich Social Media auch ein­fach mal gut anfüh­len kann.

Invite-Codes

Wenn du Chrrp ein­mal ken­nen­ler­nen willst, geht das zur­zeit nur mit Ein­la­dungs­codes. Hier sind ein paar (first come, first serve):

Bei­trags­bild: Boris Smo­kro­vic auf Uns­plash

4 Kommentare

  1. AT Pro­to ist eine Über­gangs­tech­no­lo­gie :-) Ich drü­cke also fest zwei­mal die Dau­men: Dass es über­haupt wei­ter geht, und dass er sich für Acti­vi­ty­Pub ent­schei­det. Denn an Ende lan­den wir alle im Fediverse :-) 

    LG Tho­mas

    1. Ja, die Hoff­nung stirbt zuletzt. 🙂

  2. Mir gefällt es auch sehr dort. Sehr hei­me­lig. Von daher hof­fe ich auch sehr, es bleibt.. Wenn auch viel­leicht mit ande­ren Farben 😁

    1. Hehe­he, die Far­ben sind … gewöh­nungs­be­dürf­tig. Aber wenn es bestimmt bald eine API gibt, dann pro­gram­mie­ren wir uns ein­fach eine ande­re Oberfläche! 😉

  3. … hat dies repostet!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert