Seit gut einer Woche bin ich Fan eines neuen Social-Media-Netzwerks. chrrp.eu hieß zuerst twttr.eu und wurde von Jan Kus aus Köln als Aprilscherz zusammengevibecodet. Der Prompt lautete wohl (in der Kurzfassung) so oder so ähnlich: „Baue mir das Twitter von 2007!“ Das Ganze eher aus einer Laune heraus als mit großem Produktplan. Rund um meinen Lieblingspodcast Haken dran gab es dazu schon ein paar Infos, und wie so oft bei solchen Netzphänomenen ist aus dem Witz ziemlich schnell etwas geworden, das mehr ist als nur ein Gag.
Es ist wie damals
Für mich fühlt es sich erstaunlich stark nach Twitter 2007/2008 an. Nicht nach dem späteren, großen, lauten Twitter, sondern nach der frühen Version: überschaubar, ein bisschen unfertig, sehr direkt. Es sind nur wenige Leute dort, man kann die Public Timeline tatsächlich komplett nachlesen, viele bekannte Namen von damals sind dabei – und es gibt nur 140 Zeichen. Allein das verändert schon den Ton.
Das erzeugt bei mir ein fast heimeliges Gefühl. Nicht, weil ich glaube, dass wir die Zeit zurückdrehen können. Sondern weil Chrrp für einen Moment an eine Form von Social Media erinnert, die über die Jahre verlorengegangen ist: kleiner, persönlicher, weniger auf Reichweite getrimmt.

Ich merke auch, wie gut es mir gefällt, in einem kleineren, vermeintlich geschützten Raum zu kommunizieren. Nicht geschützt im echten Sinn, aber sozial doch anders aufgeladen. Man schreibt lockerer, beiläufiger, weniger mit dem Gefühl, dass immer potenziell das ganze Internet mitliest. Diese kleine Bubble, in der man sich unter seinesgleichen wähnt, war eben nie nur ein Nebeneffekt früher Netzwerke, sie war ein zentraler Teil ihres Reizes. Vielleicht erklärt das auch, warum sich Social Media seit Jahren immer stärker in Richtung Gruppen, DMs und kleinere Communities bewegt, weg von der großen öffentlichen Timeline, hin zu Räumen, die sich wieder beherrschbar anfühlen.
Wohin geht die Reise?
Was aus Chrrp wird, ist offen. Schön wäre, wenn es nicht nur ein Aprilscherz bliebe, der am 2. April wieder verschwindet, so wie Jan Kus es bislang kommuniziert. Gleichzeitig ist klar: Dauerhaft lässt sich so etwas nicht als One-Man-Show und ohne Finanzierung betreiben. Und wenn Chrrp mehr sein soll als ein sympathischer proof of concept, wird auch die Frage nach der Anbindung an ein größeres Netzwerk wichtig. Ich fände ActivityPub sehr charmant, Jan scheint eher mit dem AT-Protokoll zu liebäugeln.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Denn selbst wenn Chrrp klein bleibt, erinnert es gerade an etwas, das viele große Plattformen längst verloren haben: dass sich Social Media auch einfach mal gut anfühlen kann.
Invite-Codes
Wenn du Chrrp einmal kennenlernen willst, geht das zurzeit nur mit Einladungscodes. Hier sind ein paar (first come, first serve):
- https://chrrp.eu/register?invite=c6f1d047fa1e1ab3
- https://chrrp.eu/register?invite=4835aeeb9b8620f4
- https://chrrp.eu/register?invite=0bc65d5f6cbd3e4b
- https://chrrp.eu/register?invite=95ef67154036857b
- https://chrrp.eu/register?invite=dd46c1aed56495a1
- https://chrrp.eu/register?invite=37d55b6e2e8d78c9
- https://chrrp.eu/register?invite=bef6e06ffc51fb17
- https://chrrp.eu/register?invite=d2710d84f0818dac
- https://chrrp.eu/register?invite=e9b27abdca777a6b
- https://chrrp.eu/register?invite=89e7f1f7c79a592e
Beitragsbild: Boris Smokrovic auf Unsplash


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