von Matthias Hainski

Sie hört immer zu, ist nie genervt und hat rund um die Uhr Zeit: Die KI als Freundin ist längst keine Science Fiction mehr. Matthias Hainski geht diesem Phänomen in seinem Buch „Wenn die KI zur besten Freundin wird – Wie wir unsere Kinder in Zeiten künstlicher Nähe begleiten“ nach. Der Untertitel stellt Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt, doch beim Lesen merkt man schnell: Das Thema betrifft uns alle. Bei Kindern wiegt es allerdings besonders schwer. Ihr Gehirn entwickelt sich noch, deshalb sind sie besonders anfällig und künstliche Nähe kann ihre Entwicklung beeinträchtigen. Schon zu Beginn spricht Hainski die Angst vor Kontrollverlust an, die viele Eltern bei diesem Thema umtreibt. Dabei verfällt er weder in Panikmache noch verteufelt er die Technik. Gleich auf Seite 5 heißt es: „Es gibt keinen einfachen Bösewicht.“
Besonders aufschlussreich ist die Frage, warum wir Maschinen überhaupt unsere Gefühle anvertrauen. Hainski nennt mehrere psychologische Mechanismen: den Anthropomorphismus, der durch die Antworten der KI noch verstärkt wird, den Reziprozitätsreflex, die Online-Enthemmung und die variable Verstärkung. Einzeln sind diese Effekte bekannt. Neu ist laut Hainski aber, dass sie bei KI-Begleitern zusammenwirken. Dazu kommt eine schlichte, aber treffende Beobachtung: Die KI trifft man am nächsten Tag nicht im Supermarkt. Was man ihr erzählt, scheint also folgenlos zu bleiben. Trotzdem ist nicht die Beziehung zur KI das eigentliche Problem, sondern dass darunter die realen Beziehungen leiden. Hainski erinnert außerdem daran, dass hinter KI-Begleitern ein Geschäftsmodell steckt, das darauf ausgelegt ist, Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange zu halten.
Hainski bleibt aber nicht bei der Analyse stehen, sondern gibt viele praktische Hilfen. Er zeigt Alarmzeichen auf und sagt ebenso deutlich, wo Eltern sich keine Sorgen machen müssen. Das wirkt entlastend. Wichtig ist auch das Kapitel über die Altersunterschiede. Erst spät, frühestens mit 11 bis 12 Jahren, können Kinder erkennen, dass eine Maschine kein Freund sein kann. Als „Risikofenster“ nennt Hainski deshalb das Alter von 10 bis 13 Jahren. Darauf folgen konkrete Tipps, wie man mit Kindern spricht, ohne sie zu beschämen, und welche Regeln in der Familie tatsächlich wirken. Auch Fachkräfte in Kita, Schule und OGS bekommen eigene Empfehlungen. Und für den Fall, dass es schon „zu spät“ scheint, zeigt Hainski, welche professionelle Hilfe und Krisenintervention es gibt.
Gut gefällt mir der Ton des Buchs. Hainski spricht seine Leserinnen und Leser persönlich an, ohne Allüren, und entwickelt seine Gedanken wie in einem Beratungsgespräch. Auch der Aufbau ist sehr gelungen. Am Kapitelende gibt es einen Kurzcheck, mit dem man die eigene Situation in der Familie einschätzen kann. Die Rubrik „Auf den Punkt gebracht“ fasst die wichtigsten Gedanken der Kapitel noch einmal kompakt zusammen. So lässt sich das Buch gut durcharbeiten und später auch zum Nachschlagen nutzen.
Positiv finde ich außerdem, dass Hainski der KI ein eigenes Kapitel über Chancen und positives Potenzial widmet. Er zeigt, dass KI als Sparringspartner beim Lernen helfen kann, beim Proben schwieriger Gespräche oder beim Ausdenken von Familienspielen. Dabei betont er immer, dass man kritisch bleiben muss. Genau diese Balance macht das Buch so wertvoll: Es nimmt Risiken ernst, ohne Angst zu schüren, und gibt Eltern und Fachkräften konkrete Werkzeuge an die Hand. Ich empfehle es allen, die Kinder begleiten. Lesenswert ist es aber auch für alle, die über ihren eigenen Umgang mit KI nachdenken möchten.
Matthias Hainski: Wenn die KI zur besten Freundin wird. BoD Books on Demand, 184 Seiten, 19,99 € (Paperback), 7,99 € (E-Book).
Offenlegung: Das Buch wurde mir kostenlos zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt.
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Beitragsbild: Andy Kelly/Unsplash


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