Gelesen: So geht Kunst

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Gray­son Per­ry dürf­te nur Kunst-Insidern bekannt sein. Der Eng­län­der wird als exzen­trisch beschrie­ben, weil er auch mal Frau­en­klei­der trägt, aber eigent­lich macht er bil­den­de Kunst und hat damit in sei­nen Krei­sen schon eine her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on.

Ich glau­be fest dar­an, dass alle Men­schen Kunst genie­ßen oder Künst­ler wer­den kön­nen – Pro­le­ten, Assis, Bür­ger, alle, die eine Visi­on haben und sie tei­len wol­len.

Man könn­te also sagen, er kennt das Kunst- und Kul­tur­ge­schäft. Und genau dar­über hat er ein Buch geschrie­ben, das im eng­li­schen Ori­gi­nal „Play­ing to the Gal­le­ry. Hel­ping con­tem­pora­ry art in its strugg­le to be unders­tood“ heißt und von Sofia Blind sehr treffend-deutsch mit „So geht Kunst“ über­setzt wur­de.

Beliebt zu sein, hieß noch lan­ge nicht, auch qua­li­ta­tiv gut zu sein. Tat­säch­lich scheint sich bei­des inner­halb der Kunst­welt oft aus­zu­schlie­ßen.

In einem net­ten Plau­der­ton erzählt Per­ry, was für ihn über­haupt Kunst bedeu­tet, war­um sie heut­zu­ta­ge haupt­säch­lich damit beschäf­tigt ist, zu scho­ckie­ren, und wie man ein zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler wird. Für jeman­den wie mich, der zwar ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis und Inter­es­se für Kunst mit­bringt, aber so gar nicht in der Sze­ne ver­haf­tet ist, waren da eini­ge inter­es­san­te Sät­ze drin.

Für den Kunst­be­trieb fehlt einem Groß­teil die­ser Kunst die empi­ri­sche Bewer­tung durch den Markt, weil sie sich der Kom­mer­zia­li­sie­rung mit Absicht ent­zieht. (…) Weil zeit­ge­nös­si­sche Kunst heu­te unter sol­chen Umstän­den ent­steht, ist das meis­te davon Mist. Ohne den Markt ist ein Groß­teil des­sen, was der zeit­ge­nös­si­schen Kunst wirk­lich als Aner­ken­nung bleibt, ihre Popu­la­ri­tät. Und natür­lich wis­sen wir (nicht wahr?), wozu Popu­la­ri­tät führt, denn: Die Demo­kra­tie hat einen schlech­ten Geschmack.

Auf­ge­lo­ckert wird das ohne­hin schon locke­re Buch mit Illus­tra­tio­nen von Gray­son Per­ry selbst, die das Geschrie­be­ne noch ein­mal unter­strei­chen (und von Ben Ren­nen gut ins Deut­sche über­setzt wur­den).

Heut­zu­ta­ge ist es viel­leicht das größ­te Lob für ein Kunst­werk, wenn man sagt, es habe „Muse­ums­qua­li­tät“.

Ins­ge­samt eine run­de Sache und eine schö­ne Bett­lek­tü­re, die mich in den letz­ten Wochen beglei­tet hat. Ich wür­de es Men­schen schen­ken, die ent­we­der Schöp­fer von Kunst sind (und ler­nen sol­len, wie man damit Geld ver­dient) oder Kunst kau­fen (um zu ler­nen, dass ein Pis­soir nur dann Kunst ist, wenn nie­mand rein­pin­kelt).

Die Ban­ken erken­nen an, dass Kunst eine soli­de Ver­mö­gens­an­la­ge ist, und reser­vie­ren sogar in ihren Tre­sor­räu­men ein wenig Platz dafür. Sie sind ger­ne bereit, auf Wert­ge­gen­stän­de auf­zu­pas­sen, und haben sogar eine eige­ne Abkür­zung dafür: SWAG (sil­ver – wine – art – gold).

Offen­le­gung: Das Buch wur­de mir vom Ran­dom House Ver­lag kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt. Ob, wann und wie ich dar­über zu berich­ten habe, wur­de mir frei­ge­stellt.


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