Dezimalzeit jetzt!

In unse­rer metri­schen Welt ist vie­les opti­mal im Dezi­mal­stan­dard aus­ge­rich­tet. Ein Meter ist ein Meter, sind ein­hun­dert Zen­ti­me­ter, sind ein­tau­send Mil­li­me­ter, ist ein­tau­sends­tel Kilo­me­ter. Auch bei ande­ren Ein­hei­ten ist es so schön: Flä­chen beru­hen auf der Ein­heit Meter mal Meter (Qua­drat­me­ter), Volu­men wer­den in Meter mal Meter mal Meter (Kubik­me­ter) gemes­sen und dar­aus wird auch noch der Liter abge­lei­tet. Selbst bei Gewichts­an­ga­ben kann man sich dar­auf ver­las­sen, dass ein Kilo­gramm aus ein­tau­send Gramm besteht.

SI-Einheiten und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten

SI-Einheiten und ihre gegen­sei­ti­gen Abhän­gig­kei­ten (cc)

Der fran­zö­si­sche Urmeterknall

Dass das alles so ist, ver­dan­ken wir den Fran­zo­sen. Die haben sich 1790 zusam­men­ge­setzt und fest­ge­legt: „1 Meter als zehn­mil­li­ons­ter Teil des Erd­me­ri­dian­qua­dran­ten, 1 Gramm als Gewicht (…) von 1 cm³ rei­nem Was­ser bei 4°C und einem Druck von 760 mm Queck­sil­ber­säule.“ Aus die­sen Grund­la­gen bil­de­ten sich die heute gül­ti­gen und gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen sie­ben SI-Einheiten, die sich teil­weise gegen­sei­tig bedin­gen (siehe rechts), auch wenn sie mitt­ler­weile anders gemes­sen werden.

Es war also schon ein guter Anfang damals. Lei­der nur hat die Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten aus­ge­rech­net bei der Mes­sung von Zeit Halt gemacht und sie ledig­lich so defi­niert, wie es schon die Jahr­hun­derte davor Usus war. Zwar pro­bier­ten es die Fran­zo­sen im Zuge der Revo­lu­tion 1793 dann doch noch mit der Dezi­mal­zeit, indem sie fest­leg­ten, dass der Tag aus 10 Stun­den besteht, mit 0 Uhr um Mit­ter­nacht und 5 Uhr am Mit­tag, wobei die Stun­den in je 100 Minu­ten und die wie­derum in 100 Sekun­den unter­teilt waren. Letzt­lich setzte sich das Zeh­ner­sys­tem aber nicht durch. Ob es an den SI-Definitionen der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten lag oder an der Bevöl­ke­rung selbst, ist Spekulation.

Noch heute ist eine der weni­gen welt­weit ein­heit­li­chen Mess­stan­dards jeden­falls aus­ge­rech­net die will­kür­lich in 24 Ein­hei­ten pro Tag unter­teilte Zeit, deren Stun­den aus je 60 Minu­ten à 60 Sekun­den beste­hen. Was sich übri­gens auch auf das Win­kel­maß aus­wirkt, sozu­sa­gen als Kol­la­te­ral­scha­den. Denn dass ein Kreis 360 Grad umfasst ist nicht zufäl­lig, son­dern mit vol­ler Absicht an der Uhr ori­en­tiert: In einer Stunde dreht sich die Erde um 15 Grad. (Und dem­nach in einer Minute um …? Rich­tig, 15 Minu­ten.)

Zeh­ner macht schöner

Wäre es denn nicht viel prak­ti­scher, wenn eine volle Umdre­hung eine um 100 Grad wäre? Wenn ein Tag aus zehn Stun­den und eine Stunde aus 100 Minu­ten bestünde?

DezimaltaschenuhrIch plä­diere daher dafür, die Dezi­mal­zeit ein­zu­füh­ren und das Win­kel­maß anzu­pas­sen. Ich möchte, dass nach 200 Minu­ten zwei Stun­den ver­gan­gen sind und dass eine 50-Grad-Drehung den Blick in die Gegen­rich­tung erlaubt. Ich möchte um 2:92 Uhr auf­ste­hen,  um 5 Uhr Mit­tags­pause machen, nach 3 Stun­den und 33 Minu­ten Arbeits­zeit Fei­er­abend haben, um dann Punkt 8:33 Uhr die Tages­schau zu sehen (und zwar die vol­len 10 Minu­ten). Meine Uhr bräuchte nur noch eine Zif­fer für die Stun­den­an­zeige und in einer Stunde könnte ich viel mehr schaf­fen als heute.

Das klingt doch super, oder? Wer kämpft mit?

(Der nächste Schritt ist dann übri­gens die Über­ar­bei­tung der grö­ße­ren Zeit­ein­hei­ten. Wie unlo­gisch ist denn das bitte, dass ein Monat irgend­was zwi­schen 28 und 31 Tage und das Jahr 365 bis 366 davon hat? Das ent­behrt ja nun wirk­lich jeder Logik.)

Foto: (cc) Eva K.