BarCamp Köln

Auch die­ses Jahr war ich wie­der zu Gast beim Bar­Camp Köln und auch die­ses Jahr hatte ich so gar keine Lust, eine Ses­sion anzu­bie­ten. Muss ja aber auch nicht. In Köln ist es kein Pro­blem, den sehr umfang­rei­chen Ses­si­onplan zumin­dest aus­rei­chend zu fül­len. Es war also Inter­es­san­tes dabei und man mus­ste nicht befürch­ten, dass Lan­ge­weile auf­kommt.

Ich konnte jedoch nicht ganz ver­ste­hen, warum die Orga­ni­sa­to­ren glaub­ten, inner­halb von einer Stunde könnte die Vor­stel­lungs­runde mit knapp 200 Per­so­nen und die Ses­si­onpla­nung über die Bühne gehen. Mit ent­spre­chend Druck schaffte man es in andert­halb Stun­den, was dann aber bedeu­tete, dass die erste Ses­sion um eine halbe und die zweite um eine Vier­tel­stunde nach hin­ten ver­scho­ben wur­den und beide nur 45 Minu­ten zur Ver­fü­gung hat­ten. Zumin­dest mir war dann auch die Zeit zwi­schen Ende der Eröff­nung und ers­ter Ses­sion zu knapp, um an die Über­sicht zu gelan­gen und mich für eine Sache zu ent­schei­den. Also ließ ich gleich mal die erste Runde aus.

Kickstarter-Fails

Ich stieg dann um halb eins in der zwei­ten Runde ein und ging zu Bert­hold Barth, der fehl­ge­schla­gene Crowd­fun­ding­pro­jekte vor­stellte. Nicht, um sich dar­über lus­tig zu machen, son­dern um dar­aus zu ler­nen. Was ich mir notiert habe:

  1. Sage, wozu du das (viele) Geld eigent­lich brauchst.
  2. Mache gute Beloh­nun­gen (Pled­ges). Sinn­vol­ler­weise etwas, das mit dem Pro­jekt zu tun hat.
  3. Beschimpfe nicht dein Publi­kum.
  4. Nimm keine exter­nen „Exper­ten“ mit ins Boot, die dir ver­spre­chen, dein Crowd­fun­ding erfolg­reich zu machen.
  5. Zeige dich und dein Gesicht.
  6. Ohne Com­mu­nity kein erfolg­rei­ches Crowd­fun­ding.
  7. Crowd­fun­ding funk­tio­niert nicht in einem Seg­ment, das total über­lau­fen ist.
  8. Sei pro­fes­sio­nell und nutze nicht Comic Sans für Video­ein­blen­dun­gen.
  9. Ver­lange eine Mil­lion Euro und wun­dere dich dann nicht, dass du dein Ziel nicht erreichst.
  10. Achte auf den Adres­sa­ten­kreis. Loka­les Pro­jekt = lokale Ziel­gruppe.
  11. Nutze Crowd­fun­ding nicht nur, um dir das Leben schön zu machen.
  12. Gib dir Mühe beim Auf­set­zen des Kickstarter-Projekts!

Bert­hold schaffte es nicht ganz in 45 Minu­ten. Das war okay, weil danach nie­mand anders den Raum brauchte, bedeu­tete aber auch, dass ich den nächs­ten Session-Slot eben­falls ver­passte.

Ein wenig geär­gert hat mich das schon. Ande­rer­seits muss ich auch zuge­ben, dass ich die Zeit sinn­voll nut­zen konnte. Ich führte viele inter­es­sante Gesprä­che mit unter­schied­lichs­ten Men­schen, konnte in Ruhe und ange­neh­mer Gesell­schaft mit­tag­es­sen und mich kon­zen­triert mit dem Rest­tags­pro­gramm beschäf­ti­gen.

Familie 2.0

Mut­ter Ilse und Toch­ter Car­line Mohr stell­ten noch ein­mal ihre Ses­sion von der Re:publica vor und ich nutzte end­lich mal die Gele­gen­heit, sie mir anzu­se­hen. Es war sehr kurz­wei­lig, wie Ilse ins Social Web gelangte, um zu ver­fol­gen, was die Toch­ter im fer­nen Ber­lin so treibt und wie sie Mög­lich­kei­ten des Inter­nets nut­zen, um wie­der näher zusam­men­zu­rü­cken. „Ich habe deine Kin­der­bil­der und ich werde sie benut­zen“ war nur eines der lus­ti­gen Bon­mots. Die hin­ter der Prä­sen­ta­tion lie­gende Bot­schaft: Senio­ren soll­ten sich mal „rich­tig“ ins Inter­net trauen und die Jün­ge­ren soll­ten sie an die Hand neh­men und in ihren Mög­lich­kei­ten nicht unter­schät­zen.

Projektorganisation in der People-Fotografie

Beim Pixel­ku­rier Michael Stein bekam ich Ein­blick in etwas, das ich nur von der ande­ren Seite kenne. Wie man Unter­neh­men und ihre Mit­ar­bei­ter auf Foto­shoo­tings vor­be­rei­tet, wie man mit ihnen umgeht und was das alles für Fol­gen haben kann, erzählte er uns. Es war sehr inter­es­sant. Die Essenz ist wohl:

Webseiten bestatten

Es klingt zunächst wie ein guter Witz, den ich von Damian Paderta schon das erste Mal auf der Heim­fahrt vom Bar­Camp Koblenz hörte. Er war in der Zwi­schen­zeit nicht untä­tig und prä­sen­tierte einen ers­ten Ent­wurf für den Web­be­stat­ter. Die Idee dahin­ter: Statt Web­sites klamm­heim­lich ster­ben zu las­sen oder sie zu see­len­lo­sen Zom­bies zu degra­die­ren, sol­len sie in einen neuen Zustand über­führt wer­den.

  1. Feu­er­be­stat­tung: Die Web­site wird fei­er­lich ins Jen­seits über­führt. In der Dis­kus­sion war man sich schnell einig, dass das vor allem für Mar­ke­ting­zwe­cke eine gute Idee ist. Anstatt Aktio­nen ein­fach aus­lau­fen zu las­sen, hef­tet man ihr ein Ver­falls­da­tum an und fei­ert das Ende noch ein­mal kräf­tig. The­men wie ein Lei­chen­schmaus, also eine Ver­an­stal­tung drum­herum, kamen auf.
  2. Wie­der­ge­burt: Web­sites wer­den nicht ein­fach nutz­los bestat­tet oder wer­den ebenso nutz­los pfle­ge­los ver­kom­men gelas­sen, son­dern ihre Inhalte wer­den in den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt über­führt. Kon­kret sol­len Texte, Bil­der und andere Inhalte unter einer freien Lizenz, für Wiki­pe­dia oder andere Quel­len zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Andere könn­ten damit neue Dinge anstel­len. Eine sehr char­mante Idee, dar­über waren wir uns alle einig.

Natür­lich ist auch eine Kom­bi­na­tion mög­lich: Die fei­er­li­che Bestat­tung, bei der das Pro­jekt an sich beer­digt wird und die anschlie­ßende Wie­der­auf­er­ste­hung der Seele, also der Inhalte.

Man könnte mit den Bestat­tungs­ana­lo­gien noch ewig wei­ter machen. Dami­ans Idee an sich ist auf jeden Fall toll. Ich hoffe, er setzt sie noch „rich­tig“ um.

Veranstaltungsplanung über Social Media

Zur letz­ten Ses­sion lud Nicole Hun­dert­mark ein. Wie man am bes­ten mit Ein­la­dun­gen zu Ver­an­stal­tun­gen umginge war das Thema. Sollte man das Event auf allen Platt­for­men anle­gen? Wann ist der rich­tige Zeit­punkt dafür? Wie schafft man genü­gend Ver­bind­lich­keit?

Lei­der war es schwie­rig, das Thema ein­zu­gren­zen. Ist aber auch ver­ständ­lich, denn es gibt so viele unter­schied­li­che Arten von Ver­an­stal­tun­gen – online, off­line, für ver­schie­dene Ziel­grup­pen, mit oder ohne Ein­tritt, mit pro­fes­sio­nel­lem Ticke­ting oder über Facebook-Zusagen und so wei­ter. So schwankte dann auch die Dis­kus­sion hin und her zwi­schen kos­ten­freien Ver­eins­ver­an­stal­tun­gen mit bis zu zehn Teil­neh­mern und Kon­zer­ten mit tau­sen­den Gäs­ten.

Ange­schnit­ten wurde auch die Frage, wie man die Ziel­grup­pen außer­halb sei­ner Fil­ter­blase errei­chen könne. Ganz ein­fach ginge das, indem man ein wenig Geld in die Hand nimmt und mit Goo­gle, Face­book oder Twit­ter pass­ge­nau andere Men­schen anspricht. Logi­sch, wenn man Geld hat, schwie­rig, wenn man als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein das vom Vor­trags­ho­no­rar abzie­hen muss.

Es bleibt, wie es ist: kom­pli­ziert.

Kein zweiter Tag

Ins­ge­samt habe ich mich auf dem dies­jäh­ri­gen Bar­Camp Köln sehr wohl gefühlt. Das möchte ich trotz der weni­gen Mäke­lei unter­strei­chen. Men­schen machen Bar­Camps und die Men­schen in Köln sind alle super. Dass ich nicht noch ein­mal am Sonn­tag hin­ge­gan­gen bin, hat ein­fach nur damit zu tun, dass ich das drin­gende Bedürf­nis hatte, nach lan­ger Zeit mal wie­der ohne Wecker auf­zu­wa­chen. Dafür kön­nen die Orga­ni­sa­to­ren (Ste­fan Evertz, Bri­gitte Glat­zel, Anne Krae­mer, Katja Evertz) nichts, die gewohnt pro­fes­sio­nell alles ver­an­stal­te­ten und die­ses Jahr sogar an das Mikro­fon dach­ten. Und erst recht kön­nen die Spon­so­ren nichts dafür, ohne die das Bar­Camp gar nicht mög­lich gewe­sen wäre:

QSC AG (Location-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
Sijox (Premium-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
sparhandy (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnachtung! THE LAB (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
BVCM Bundesverband für Community Management (gehört zu den Basis Sponsoren BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnsonntagmorgen (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
Delinat (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnCarsten Rossi (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
VICO Research & Consulting (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnJobportal REWE Digital (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln

Des­halb möchte ich schlie­ßen mit mei­nem Tweet:

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