Liebes 1ppm,

überall riecht es nach Hundekot. Vor der Haustür, auf der Straße, auf dem Feldweg – Hundekot, wohin die Nase führt. Es tut mir leid, dass ich Dich seit Donnerstag so sträflich vernachlässigt habe, und jetzt zu allem Überfluss auch noch mit solch einer Einleitung zurückkehre, aber 1.) passierten Dinge unvorhersehbarer Natur und 2.) ist es halt nun mal wahr. Es riecht, es stinkt, es wabert die Luft, die angefüllt mit den fauligen Ausscheidungen unserer caninen Wegbegleiter fast alles umgibt. Müßig zu sagen, dass ich das nicht möchte.

Vorhin verließ ich das Haus, um in noch herrlich frischer, morgentau geschwängerter Luft eine runtastische LIVE-Aktivität zu beginnen zu joggen. Das letzte Mal lief ich in der wundervoll sanften Frühlingssonne, es muss Mai gewesen sein, und genoss mit schier endloser Hingabe den Duft junger Pflanzen und blühender Gärten, den ich gierig in meine Lungen zu pumpen pflegte. Als ich heute früh in Erwartung einer ähnlichen Erfahrung loslief, hatte ich nur außer Acht gelassen, dass sich die Umstände im Laufe des Juni geändert haben könnten. Und, oh Boy, was haben sie sich geändert.

Es begann schon, als ich die Carports vor dem Haus passierte und auf das Ende der Straße zusteuerte, das wie zufällig von einem wahren Prachthaufen markiert wurde. An der Biegung des Gehwegs prangte dieses Kunstwerk von der Größe eines kleinen Yorkshires, und die fröhlich in seiner Nähe tanzenden Fliegen versprachen olfaktorische Genüsse, um die ich schlecht herumkommen würde, wollte ich auf meiner Route bleiben. Und ich blieb. Noch befand ich mich in niedrigen Pulsbereichen, noch war flaches Atmen keine Kunst, und schon war der Haufen passé. Puh!

Doch, ach, die morgendliche Joggingrunde gestaltete sich auch weiterhin schwierig. Statt meinen Blick über die Felder und in die Weite streifen zu lassen, war ich gezwungen, auf den Boden zu blicken und einen albernen Slalomlauf um Hinterlassenschaften jeglicher Couleur, Konsistenz und Abbauphase zu veranstalten. Und als sich kurz darauf die Sonne anschickte, nicht nur hell, sondern auch kräftig zu werden, nahm der Kot nicht mehr nur Boden, sondern auch Luft ein. Luft, die ich, mittlerweile im mittleren bis hohen Pulsbereich angekommen, dringend zum Atmen brauchte.

Während ich noch versuchte, mir die gute Laune zu bewahren und mich nicht so spießbürgerlich anzustellen, sah ich ein paar hundert Meter weiter eine Pudeldame mitten auf den Feldweg kacken. Direkt daneben stand ihr Frauchen und lachte eifrig auf ihr Mobiltelefon ein – und obwohl ich verstehe, dass es schwierig ist, ein Tütchen zu zücken und ein Häufchen einzusammeln, wenn man doch mit der einen Hand die Leine und mit der anderen das Telefon halten muss, packte mich die kalte Wut. Sie scherte sich einen Dreck um den Dreck ihres Hundes – und ich formulierte im Geiste einen gepflegten Rant, den ich ihr anstelle eines Guten Morgens um das asoziale Ohrpaar hauen würde. Leider waren wir schneller auf einer Höhe, als ich in der Lage zu sprechen, und damit zog die einmalige Gelegenheit, eine einzelne Person für all den Verdruss zur Verantwortung zu ziehen, ungenutzt vorüber. Ein paar Schritte weiter stiegen mir die säuerlichen Dämpfe des frischen Pudelkots in die zornschnaubenden Nüstern, und ich hätte glatt das Rumpelstilzchen gegeben, wäre Aufstampfen nicht eh schon Teil meines Laufstils.

Nun, liebes 1ppm, ich habe keine Pointe für diesen Eintrag. Ich habe Hundekot gerochen, überall, hier vor der Haustür, auf der Straße, auf dem Feldweg; es ist alles ein riesiges Hundeklo, und ich möchte das nicht, es ist schrecklich, es soll aufhören. Ich möchte Weizenfelder riechen, trockene Erde, feuchten Asphalt. Und es wäre wirklich schön, wenn das auch in Siedlungsnähe irgendwie machbar wäre.

Herzlich,
Deine serotonic

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