(Eigent­lich woll­te ich ger­ne schrei­be „zehn Jah­re Köln“, das wäre aber ver­mes­sen, denn ich habe dort ja nur etwas mehr als vier Jah­re gewohnt.)

Ich bin heu­te auf den Tag genau zehn Jah­re im Rhein­land zuhau­se. Mitt­ler­wei­le wür­de ich mich daher als Rhein­län­der bezeich­nen, auch wenn man sei­ne Hei­mat natür­lich nie ver­liert, tief drin­nen wer­de ich immer a Fran­ge sein.

Dezember 2003, das erste verfügbare Bild von mir als Rheinländer
Dezem­ber 2003, das ers­te ver­füg­ba­re Bild von mir als Rhein­län­der

Nach­dem mei­ne dama­li­ge Part­ne­rin und ich zuvor zwei Mal in der Köl­ner Umge­bung waren, um eine Woh­nung zu fin­den, fuh­ren wir am 30. Sep­tem­ber 2003 mit vier Kat­zen im Gepäck um fünf Uhr mor­gens los, um pünkt­lich zur Schlüs­sel­über­ga­be anwe­send zu sein. Der Lkw mit dem Hab und Gut folg­te eini­ge Stun­den spä­ter. Spät am Abend hat­ten wir alles aus­ge­la­den und das Bett soweit auf­ge­stellt, dass man dar­in schla­fen konn­te. Am nächs­ten Mor­gen hat­te ich mei­nen ers­ten Arbeits­tag. Ich muss­te sehr früh raus, weil ich gar nicht erst ins Büro soll­te, son­dern direkt nach Mann­heim zu einer Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung. Kei­ne Ahnung, wie ich die­sen Tag über­lebt habe, ich ahne nur, dass viel Kaf­fee im Spiel war. Sehr spät kam ich wie­der im neu­en Zuhau­se an. Am nächs­ten Tag bekam ich eine sechs­stün­di­ge Ein­füh­rung ins Unter­neh­men, um 15 Uhr durf­te ich nach Hau­se gehen und schlief dort erst ein­mal durch bis zum nächs­ten Mor­gen. Es folg­te ein Fei­er­tag, der 3. Okto­ber, der güns­ti­ger­wei­se auf den Frei­tag fiel. An die­sem ver­län­ger­ten Wochen­en­de rea­li­sier­te ich zum ers­ten Mal, dass ich nun woan­ders woh­ne. Vier­hun­dert Kilo­me­ter von dort ent­fernt, wo ich auf­ge­wach­sen bin.

Zehn Jah­re ist das jetzt her, mei­ne Güte. Ich habe so viel erlebt. Gute Jah­re, schlech­te Jah­re, aber ins­ge­samt die bis­her bes­te Zeit mei­nes Lebens. Den Job, wes­we­gen ich gekom­men war, behielt ich über sie­ben Jah­re lang, bevor ich – mit einer Zwi­schen­sta­ti­on – im heu­ti­gen Arbeits­ver­hält­nis ange­kom­men bin. Ich habe ein Abend­stu­di­um erfolg­reich absol­viert, einen Bache­lor­ab­schluss gemacht und bin gera­de mit­ten im Mas­ter­stu­di­um. Mein Groß­va­ter starb in die­ser Zeit, eine Kat­ze und ein Kater eben­falls. Ich habe mein Herz für den Kar­ne­val ent­deckt. Ich habe die Frau mei­nes Lebens ken­nen­ge­lernt. Und ganz vie­le, ganz tol­le neue Men­schen, dar­un­ter ein paar, mit denen mich eine tie­fe Freund­schaft ver­bin­det.

Das Rhein­land war immer gut zu mir, es hat mich mit offe­nen Armen auf­ge­nom­men und mich in den letz­ten zehn Jah­ren anstän­dig beglei­tet. Ich kann mir nicht so recht vor­stel­len, noch ein­mal woan­ders zu leben. (Aller­dings sagt man so etwas immer schnell, es kann sich noch so viel ändern.)

Zehn Jah­re Rhein­län­der. Das schreit nach einer Fei­er. Wer ist dabei?

* * *

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5 KOMMENTARE

  1. Schö­ne Lie­bes­er­klä­rung.
    Und wenn ich das nächs­te mal mei­ne zwei­te Hälf­te der Fami­lie im tiefs­ten Rhein­land besu­che, trin­ke ich ein Kölsch auf dei­ne Ein­bür­ge­rung. Jene wer­de ich in die­sem Leben nicht mehr errei­chen, dafür habe ich täg­lich das Rhein­land in leben­di­ger Form bei mir zu Hau­se. Das reicht mir alle­mal.
    Fei­er schön, lie­be Grü­ße, Fran­zi

  2. Schön geschrie­ben. Kann ich nur bestä­ti­gen, auch wenn es nur 7 Jah­re sind und in einer ande­ren Lebens­pha­se. Sofort war man drin­nen. Biss­chen unver­bind­li­cher als woan­ders viel­leicht (Wir soll­ten unbe­dingt mal gril­len...), aber viel ein­fa­cher. Und Kar­ne­val ist viieeel bes­ser als man denkt, wenn man die rich­ti­gen Leu­te mit­hat. Nur viel­leicht nicht das GANZE Jahr die sel­ben Lieder...überall...puh.

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