Dorf ist nicht gleich Dorf, das durf­te ich unlängst mal ler­nen. Es gibt so eini­ge Unter­ar­ten von Dör­fern und wer mir das nicht glaubt, kann ger­ne auf Wiki­pe­dia nach­se­hen. Es ist inter­es­sant, nach­zu­voll­zie­hen, aus wel­cher Art Dorf wel­che Stadt ent­stan­den ist. Denn wir sind uns sicher­lich einig: Fast alle Städ­te waren frü­her mal ein Dorf. Ein Fleck, an dem sich meh­re­re Fami­li­en nie­der­lie­ßen, der sich im Lauf der Jahr­hun­der­te aus­ge­brei­tet hat. Vie­le Groß­städ­te bestehen auch heu­te noch aus ein­zel­nen Dör­fern, die ein­fach nur aus prak­ti­schen und finan­zi­el­len, manch­mal auch poli­ti­schen Grün­den zusam­men­ge­fasst wur­den.

Bonn zum Bei­spiel war ein klei­ner Markt­fleck. Erst im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts wur­den die umlie­gen­den Dör­fer ein­ge­mein­det. Vie­le davon, weil sie auf­grund der enor­men Auf­blä­hung der Stadt durch die Bun­des­re­gie­rung schon gar kei­ne erkenn­ba­re Gren­zen mehr hat­ten. Das trifft aller­dings auch auf vie­le Städ­te im Ruhr­ge­biet zu, aber da sind wahr­schein­lich eini­ge too big to con­so­li­da­te, wie wir Spa­ni­er sagen. Ber­lin war auch mal so ein Dorf, das mit sei­nem Nach­bar­dorf Cölln zusam­men­wuchs und immer grö­ßer und grö­ßer wur­de, bis wei­te­re Fle­cken dazu gehör­ten und irgend­wann – fupp! – war es eine Haupt­stadt. Und in man­chen Städ­ten steckt das Dorf sogar noch im Namen: Düs­sel­dorf.

Irgend­wie kom­men wir also alle vom Dorf. Nicht nur, weil alles mal ein Dorf war. Auch heu­te noch leben wir in Dör­fern, auch wenn sich die poli­ti­sche Ein­heit Stadt oder sogar Groß­stadt nennt. Dort bemü­hen wir Begrif­fe wie Kiez, Stadt­teil, Vier­tel, Vee­del, aber letzt­lich ist es dann doch so: Wir wol­len gar nicht in der Stadt leben, son­dern ledig­lich deren Infra­struk­tur haben. Gleich­zei­tig wol­len wir aber das Gefühl genie­ßen, in einer eng ein­ge­grenz­ten Gemein­schaft zu woh­nen, selbst wenn wir gar kei­nen Wert auf die dörf­li­che Gemein­schaft legen – auf Frau Mül­ler von gegen­über, die ganz genau weiß, wann wir wen zu Besuch hat­ten, auf den ört­li­chen Bäcker, der besorgt nach­fragt, wenn wir mal zwei Wochen­en­den aus­ge­las­sen haben, auf die sozia­len Ver­pflich­tun­gen wie das all­jähr­li­che Schüt­zen­fest. Denn letzt­lich wol­len wir das dann doch: uns als Teil einer Gemein­schaft füh­len, die man über­bli­cken kann, bei der man weiß, wie sie tickt, wor­an man ist.

Des­halb lie­ben wir das Inter­net. Das Inter­net ist so ein Dorf. Eine Mega­stadt mit Mil­li­ar­den Ein­woh­nern, aber da leben wir nicht. Wir leben in einem Kiez; nur nen­nen das Vier­tel im Inter­net „Fil­ter­bla­se“. Wir gehen natür­lich mal raus, gucken uns ande­re Stadt­tei­le an. Aber wir keh­ren immer wie­der zurück in die Gemein­schaft von Leu­ten, von denen man man­che mehr mag, eini­ge weni­ger – die wir aber vor allem: ken­nen. Wenn wir uns zwei Wochen mal nicht bli­cken las­sen, fra­gen unse­re Nach­barn nach, ob’s uns gut geht. Wenn wir den Vor­gar­ten (Kom­men­ta­re im Blog) ver­küm­mern las­sen, wird kri­tisch ange­merkt, man kön­ne mal wie­der Unkraut jäten. Und wenn wir Hil­fe brau­chen, gehen wir auf den Markt­platz (Face­book, Twit­ter) und fra­gen danach.

Wenn man es also genau betrach­tet, ist das Inter­net nichts wei­ter als ein Abbild unse­rer dörf­li­chen Gemein­schaf­ten. Nur mit dem Vor­teil, dass man sich die Nach­barn nicht nach Wohn­ort, son­dern nach Gemein­sam­kei­ten und Inter­es­sen zusam­men­su­chen kann. Teil einer Grup­pe sein, das wol­len wir doch alle.

6 KOMMENTARE

  1. Ich bin ein biss­chen ver­blüfft, weil ich bis auf den vor­letz­ten Absatz alles genau­so gera­de vor ein paar Tagen in mein Buch geschrie­ben habe. Natür­lich nicht in Wir-Form und nur auf eine ganz bestimm­te Stadt bezo­gen, aber hier, Sachen gibt’s. <3

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