Zeitungsjunge
Zeitungsjunge (Foto: New Old Stock)

Meine Mitgliedschaft bei den Krautreportern werde ich nicht verlängern. Weil die erstmalige Crowdfundingkampagne nun ein Jahr vergangen ist, hört und liest man an vielen Stellen, wie sich bisherige Abonnenten verhalten werden, die sich mit 60 oder mehr Euro engagiert hatten. Niemand davon möchte noch einmal so viel Geld in das Angebot investieren. Kann ich nachvollziehen.

Für mich steht eine Investition in dieser Höhe nicht in einem Verhältnis mit dem Gewinn, den ich mir dadurch erhoffe. Waren es vor zwölf Monaten noch idealistische Vorstellungen, die mich antrieben, muss ich heute konsterniert feststellen: Ich habe vielleicht zwanzig, dreißig Artikel gelesen. Davon hätte ich die meisten ohne Krautreporter woanders finden können (z.B. Christoph Kochs Medienmenü, Peer Schaders Supermarktartikel). Viele andere boten kaum Informationen, waren stilistisch fragwürdig oder einfach nur Füllmaterial. Nur eine Handvoll Beiträge fand ich dem Anspruch der Krautreporter angemessen. Bei keinem einzigen Artikel hatte ich einen Mehrwert durch meine Mitgliedschaft; ich hätte sie auch einfach so aufrufen können.

Bleibt also nur das Idealistische. Und das ist mir abhanden gekommen, wenn ich mir so ansehe, was mit meinem Geld passiert ist. Für bestimmt viel, viel Geld wurde eine fürchterliche Softwarelösung programmiert, es wurden mehrere Mitarbeiter eingestellt, ein schickes Büro angemietet – und dann Beiträge und Videos veröffentlicht, die es in der Form schon vorher woanders gab.

Es tut mir leid um die Idee hinter Krautreportern. Ich finde die Vision immer noch gut, aber die Krautreporter werden sie wohl nicht mehr ausfüllen können. Die 60 Euro stelle ich gerne für ein anderes Projekt zur Verfügung.

(Foto: New Old Stock)

34 KOMMENTARE

  1. Oh, dann muss ich ja noch herausfinden, wie ich kündige. Habe mich seit Jahren da nicht mehr eingeloggt und vlt. 3 Artikel gelesen. Das macht dann 20 Euro pro Artikel. Guter Schnitt.

  2. Habe auch gekündigt. Mir hat man gesagt nach dem Funding gäbe es kein Abo Modell, also bräuchte ich nichts weiter zu tun.

  3. Tja, was soll ich sagen? Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Und ich befürchte, das war es dann auch mit den Krautreportern.

  4. das steht auch noch auf meiner ToDo List, bin gerade am überlegen ob und welche Artikel ich da wirklich vollständig gelesen habe.

  5. Wenn du was (imo) Solides unterstützen möchtest, schau dich mal bei Correctiv um. Zumal die einen journalistisch wesentlich schärferen, bissigeren Ansatz haben als die Krautreporter. Bei Correctiv habe ich auch schon wirklich gute Texte UND (!) hervorragend aufgearbeitete Medienformate erlebt (z.B. zum Absturz über der Ukraine).

  6. Habe nur ein einziges Mal dort einen Artikel gelesen. War auch eher ein Zufall. Ist also nichts wo man mehr als fuenf Worte fuer fallen lassen muss.

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