Zurzeit komme ich gar nicht so viel zum Lesen. Ich würde gerne schreiben, es liegt an meiner vielen Arbeit und den zahlreichen privaten Verpflichtungen, die ich zurzeit habe. In Wirklichkeit geht die meiste Lesezeit aber dafür drauf, Netflix zu gucken. Vor ein paar Wochen noch las ich jeden Abend im Bett viele Seiten auf meinem Kindle. Mittlerweile sind es nur noch ein, zwei Seiten, die ich nach einer Folge Lost noch schaffe, bevor mir die Augen zufallen.

“Aber Bergoglio ist ja auch der Papst!”, erwidert Simon.

“Ja, aber nichtsdestotrotz hat er das Jerusalemsyndrom und bildet sich ein, der Papst zu sein. Dass seine Halluzinationen und religiösen Wahnideen durch Zufall exakt mit der Realität übereinstimmen, macht es für ihn nicht unbedingt einfacher, seine Probleme zu erkennen, wie Sie sich wahrscheinlich vorstellen können.”  (S. 42)

Manchmal aber habe ich einen freien Nachmittag. Und für so einen eignet sich das Buch “Der einzige Dorfbewohner mit Internanschluss”1 sehr gut, denn es hat nur 137 großzügig bedruckte Seiten. Autor Elias Hirschl ist 15 Jahre jünger als ich und schaffte mit diesem Werk Großes. Große Unterhaltung, aber auch große kognitive Anstrengung. Ständig muss man aufpassen, auf welcher Ebene gerade erzählt wird, man findet sich kaum im Strang zurecht. Fußnoten referenzieren sich gegenseitig oder leiten ins Absonderliche. Und das alles ist geschmückt von größtem Humor.

Der Papst wurde in Handschellen abgeführt und rief um Hilfe. Die Schweizer Garde verhielt sich neutral. (S. 63)

Ich könnte noch nicht einmal sagen, wovon “Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss” wirklich handelt. Es geht irgendwie um Simon Gruber, einen Autor, der über eine Dorfgemeinschaft schreibt, die aber mit dem Handlungsverlauf unzufrieden ist und rebelliert. Aber puh, es ist nicht leicht, in ein paar Sätzen die wirre Geschichte zusammenzufassen. Trotzdem oder eher deswegen ist dieses Buch eine hervorragende Unterhaltung und genau das richtige für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa.

“Hier in Ihren ärztlichen Unterlagen steht, Sie hätten sich bei einem schlimmen Bergsteigunfall eine beträchtliche Gehörverbesserung zugezogen. Wie ist es dazu gekommen?”

“Äußerst überraschend”, sagte der Pfarrer. (S. 106-107)

  1. Elias Hirschl: “Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss”. Milena Verlag. 17,90 € broschiert, 10,90 € Kindle-Edition (beides Amazon-Partnerlinks).

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