Altes Foto von vier Frauen in Schwesternkittel, die sich gemeinsam Unterlagen ansehen

Bei Quora hat Bar­nard Law Col­lier auf eine Fra­ge geant­wor­tet, wel­che zehn Fra­gen man einem Men­schen stel­len soll­te, um mög­lichst viel von ihm zu erfah­ren. Er schrieb:

Die­se 20 (zehn sind zu wenig, um voll­um­fäng­lich zu sein) Fra­gen sol­len eigent­lich an öffent­li­che Per­so­nen und bal­di­ge oder aktu­el­le Poli­ti­ker gestellt wer­den, aber sie funk­tio­nie­ren bei fast jedem. (Über­set­zung von mir)

Es sind Fra­gen, die Jour­na­lis­ten in einem Inter­view stel­len. Das soll laut sei­ner Aus­sa­ge schon oft genug gesche­hen sein, um behaup­ten zu kön­nen, sie ver­rie­ten alles über einen Men­schen. Also auch über mich.

Zwei Ein­schrän­kun­gen muss ich dann aber doch machen. Zum einen habe ich die Fra­gen selbst über­setzt. Das ist eine nicht unwahr­schein­li­che Fehler- oder Unge­nau­ig­keits­quel­le. Zum ande­ren soll­ten die­se Fra­gen per­sön­lich und spon­tan gestellt und nicht als wohl­über­leg­ter Blog­ein­trag beant­wor­tet wer­den.

Wer möch­te, kann sich die Fra­gen natür­lich ger­ne kopie­ren und selbst beant­wor­ten. Soll­te dies öffent­lich gesche­hen, freue ich mich über ent­spre­chen­de Hin­wei­se in den Kom­men­ta­ren. Ich bin doch so neu­gie­rig!

1) Abge­se­hen von dei­nem Gott, dei­ner Fami­lie, dei­nem Land und dei­nen Auftraggebern/Wählern (falls vor­han­den), wem gilt dei­ne Loya­li­tät?

Tie­ren. Vor allem denen, die direkt in mei­nem Schutz ste­hen, aber auch allen ande­ren gegen­über. Ja, auch bei den ver­meint­lich ekli­gen, bösen und anste­cken­den.

2) In einem so detail­rei­chen Grad wie mög­lich: Wie arbei­tet dein Ver­stand?

Hm, dar­über muss ich nach­den­ken (haha). Ich ver­su­che, so vie­le Infor­ma­tio­nen wie mög­lich zu erfas­sen, blei­be dabei oft an der Ober­flä­che. Wenn mich etwas wirk­lich inter­es­siert, dann boh­re ich auch sehr tief nach. Ich ver­su­che, Quer­ver­bin­dun­gen her­zu­stel­len und eig­ne mir ger­ne gegen­sätz­li­che Sicht­wei­sen an, um alle Facet­ten zu begrei­fen. Dabei bin ich natür­lich emp­fäng­lich für sämt­li­che kogni­ti­ven Fehl­funk­tio­nen. (Und ich hof­fe instän­dig, die Fra­ge kor­rekt ver­stan­den zu haben.)

3) Hast du jemals geliebt? Wenn ja, beschrei­be die Erfah­rung.

Ja. Es bedeu­tet, dass ich schüt­zen, behü­ten und hel­fen möch­te, dass ich aber auch gleich­zei­tig hohe Maß­stä­be anset­ze, die nicht immer leicht zu erfül­len sind. Der Gedan­ke, dass die­se Gefüh­le ein­sei­tig sein könn­ten, erfüllt mich mit Angst.

4) Wenn du ein Tier (kein Mensch) wärst, wel­ches wäre das?

Irgend­ein gro­ßes, behä­bi­ges, das wenig Kon­takt zu Art­ge­nos­sen oder ande­ren Tie­ren hät­te.

5) Defi­nie­re „Groß­zü­gig­keit“!

Mehr geben oder tun als nötig wäre.

6) Bei was schei­ter­te dein Vater?

(Okay, das wird mir jetzt doch zu per­sön­lich. Und war­um aus­ge­rech­net der Vater? Wor­auf zielt die Fra­ge ab? Auf die Vater­fi­gur, der ich nach­ei­fern muss? Mei­ne Mut­ter hat da einen genau­so gro­ßen Ein­fluss.)

7) Abge­se­hen von „nichts“: Was oder wen hasst du?

Empa­thie­lo­sig­keit. Wobei ich da schon wie­der empa­thisch genug bin, um zu sehen, dass das nie­mand absicht­lich ist. Aber Empa­thie kann und muss man ler­nen. Dar­um bemü­hen sich aller­dings viel zu weni­ge Men­schen. Und lei­der ist es mit Empa­thie halt auch so wie mit Intel­li­genz: Wer sie nicht hat, weiß es nicht und fühlt sich gleich­zei­tig auch noch glück­li­cher damit.

8) Du bist in einer töd­li­chen Gefahr: Nen­ne drei Men­schen, mit denen du dich in einem Erd­loch ver­ste­cken woll­test!

Mei­ne Frau. Die ande­ren bei­den neh­me ich mit, weil sie gera­de in der Nähe und eben­falls in Gefahr sind.

9) Hast du dich jemals mit der Todes­stra­fe befasst? Wenn ja, erzäh­le mal!

Ja, nach­ge­dacht habe ich dar­über schon oft. Todes­stra­fen sind typisch für die mensch­li­che Art zu den­ken, aber es ist eine gro­ßer Fort­schritt, dass wir uns von einer archai­schen Auge-um-Auge-Kultur wei­ter­ent­wi­ckelt haben. Schon allei­ne, weil die Gefahr eines Fehl­ur­teils trotz aller tech­ni­schen Mit­tel immer noch zu groß ist. Selbst wenn die sta­tis­ti­sche Feh­ler­wahr­schein­lich­keit eines Gen­tests 0,001 Pro­zent beträgt, sind das 0,001 Pro­zent zu viel, um einem Men­schen das Leben zu neh­men. Abge­se­hen davon ist die Genug­tu­ung, einen Men­schen der­art für etwas büßen zu las­sen, nur von kur­zer Dau­er und kann des­sen Tat in kei­ner Wei­se unge­sche­hen oder weni­ger schreck­lich machen.

10) Beschrei­be dei­ne Tanz­fä­hig­kei­ten!

Nicht vor­han­den.

11) Was denkst du, dass dein ärgs­ter Feind über dich denkt?

Ich bil­de mir ger­ne ein, kei­ne Fein­de zu haben. Höchs­tens Leu­te, die mich unsym­pa­thisch oder unin­ter­es­sant fin­den, aber nicht wich­tig genug, um tat­säch­lich mit mir befein­det zu sein. Und wenn mich jemand nicht sym­pa­thisch oder inter­es­sant fin­det, dann ist das voll­kom­men okay für mich.

12) Auf einer Ska­la von 0 bis 250: Wo wür­dest du dei­ne Intel­li­genz ver­or­ten?

Wenn ich von einer Nor­mal­ver­tei­lung aus­ge­he, dann müss­te der durch­schnitt­li­che Mensch bei 125,5 lie­gen. Gleich­zei­tig bedeu­tet das, dass auf jeden unter­durch­schnitt­lich intel­li­gen­ten Men­schen ein Über­durch­schnitt­li­cher kom­men muss. Ich ken­ne ganz vie­le klu­ge Leu­te, sehe aber auch AfD-Wähler. Wahr­schein­lich lie­ge ich also irgend­wo um die 125 her­um. Even­tu­ell hebt mich mein Umfeld auf eine 130.

13) In acht oder weni­ger Wor­ten: Defi­nie­re bit­te „Intel­li­genz“!

Die Fähig­keit, mit (neu­en) Infor­ma­tio­nen umzu­ge­hen.

14) Was ist in dei­nem Cha­rak­ter die größ­te Schwä­che?

Unge­duld.

15) Wie über­prüfst du den Wahr­heits­ge­halt von etwas, das man dir sagt?

Das hat erst ein­mal viel damit zu tun, wer mir etwas sagt. Wenn ich der Instanz gro­ßes Ver­trau­en in ihre Exper­ti­se ent­ge­gen­brin­ge, wer­de ich wahr­schein­lich gar kei­ne Über­prü­fung ver­an­las­sen oder zumin­dest erst dann tätig wer­den, wenn Wider­spruch laut wird. Es ist dann eine Mischung aus Quel­len vor allem aus dem Inter­net, die ich kon­sul­tie­re. Quel­len­kri­tik ist wich­tig, aber ich möch­te nicht behaup­ten, nicht anfäl­lig zu sein für gut klin­gen­de Wikipedia-Artikel oder einen flüs­si­gen Text eines seriö­sen Medi­en­hau­ses.

16) Benen­ne oder defi­nie­re dein Lieb­lings­wort!

Mir fällt wirk­lich kei­nes ein. Ich habe ein Fai­ble für Wör­ter, die mit weni­gen Buch­sta­ben gan­ze Wel­ten erklä­ren kön­nen. Aber gera­de das Deut­sche hat eine sol­che Fül­le von schö­nen Wör­tern, die man ja auch immer wie­der neu bil­den und zusam­men­set­zen kann, als dass ich mich jetzt auf ein bestimm­tes fest­le­gen könn­te.

17) Wel­ches der Fol­gen­den Din­ge berei­tet dir die größ­te Freu­de: a) Musik; b) Geld; c) Lite­ra­tur; d) Wis­sen­schaft; e) Spi­ri­tua­li­tät; f) Golf; g) Essen und Wein; h) Fil­me.

Lite­ra­tur.

18) Beschrei­be kurz dei­nen Lieb­lings­hut!

Ich bin ein gro­ßer Fan von Hüten und fin­de, die Mode soll­te sie schleu­nigst wie­der ein­füh­ren. Per­sön­lich habe ich mir aber noch nie inten­si­ver Gedan­ken dar­über gemacht, weil ich ein­fach kein Hut­typ bin.

19) Wer ist der bes­te Anwalt, den du kennst?

Da muss ich natür­lich mei­nen Schwie­ger­va­ter nen­nen. Aber eigent­lich soll­te man froh sein, wenn man über die­se Fra­ge lan­ge nach­den­ken muss.

20) Wenn du den Rest dei­nes Lebens als ein berühm­ter fik­tio­na­ler oder rea­ler Cha­rak­ter leben müss­test, wel­cher wäre das?

Ich habe unan­ge­mes­sen lan­ge über die Fra­ge nach­ge­dacht und kei­ne Ant­wort gefun­den. Ich will nicht das Leben eines ande­ren füh­ren. Jeder Cha­rak­ter, sogar die fik­tio­na­len, haben ihre Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen. Klar, man­che haben es leich­ter, aber am Ende zählt doch nur eines: glück­lich sein. Und mir fällt nie­mand ein, mit dem ich glück­li­cher sein könn­te, als mit mir selbst.

Foto oben: New Old Stock

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6 KOMMENTARE

  1. Wow!! Die Fra­gen las­sen sich teil­wei­se als .… unan­ge­bracht(?) oder zumin­dest als unge­wöhn­lich bezeich­nen. Sie stel­len eine Her­aus­for­de­rung dar - jeden­falls aus mei­ner Sicht. Zwi­schen­durch muss­te ich über dei­ne Ant­wor­ten laut lachen. Ja, sie ver­ra­ten sehr viel über dich, näm­lich, dass du ein intel­li­gen­ter und sym­pa­thi­scher Mensch bist. (Und das schrei­be ich jetzt nicht, weil wir eini­ges gemein­sam haben.) Vie­le Grü­ße nach Bonn!!

  2. Ich fin­de die Ant­wor­ten weit­aus inter­es­san­ter als die Fra­gen, die man über­wie­gen schon mal so gele­sen hat – und die, die man nicht gele­sen hat, ver­ra­ten m.E. nicht viel über den Men­schen, der sie beant­wor­ten soll (Hüte, Anwäl­te, Väter…).

  3. Ich mein, ich wuss­te schon vor­her, dass ich Dich unheim­lich gut lei­den kann, aber es ist mir irgend­wie beim lesen erst so rich­tig klar gewor­den, war­um. Ham­mer <3

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