Ich habe leider nie so viel Zeit, Dinge zu lesen, wie ich das gerne hätte. Wenn alles gut läuft, habe ich aber wenigstens am Wochenende etwas Zeit, interessante Artikel zu lesen. Nur, was soll man aus dem übergroßen Medienangebot konsumieren? Wo finde ich die interessanten Artikel? Und noch viel wichtiger: Wie kann ich sie dann lesen?

1. Schritt: Kuration

Um zu wissen, was ich lesen soll, habe ich einige Quellen, die wiederum Quellen durchforsten. Aus deren Ergebnis suche ich mir Texte heraus, die ich gerne lesen möchte. Das ist alles Arbeit und ich bin überaus dankbar für all die Leute, die mir helfen, Interessantes zu finden.

Zuvorderst genannt werden muss natürlich Social Media. Von meinen Freunden und Bekannten auf Facebook, Twitter und Co. erhalte ich einen Großteil der Empfehlungen. Diese Texte lese ich oft sofort, aber wenn mal einer darunter ist, den ich in Ruhe konsumieren möchte oder der einfach zu lang als Lese-Snack ist, dann speichere ich ihn zwischen. Entweder als Browser-Tab (sehr unsicher, weil schnell freiwillig oder unfreiwillig geschlossen), über Instapaper (das ich nur alle Jubeljahre öffne, dann aber mit Genuss) oder indem ich ihn mir per E-Mail schicke (sicherste Methode).

Dann gibt es aber auch noch Dienstleister, die mir beim Auswählen von Artikeln helfen:

  • Nuzzel sammelt automatisch alles, was in meinem Twitter-Stream häufiger verlinkt wird. Das ist vor allem praktisch, um nichts Aktuelles zu verpassen. Meine Daueranwesenheit in Social Media verhindert meistens allerdings überraschende Ergebnisse. Für die paar Mal, bei denen mir der Dienst hilft, auf der Höhe der Zeit zu bleiben, bin ich aber dankbar.
  • turi2 habe ich schon seit einigen Jahren abonniert. Sympathisch ist mir der Dienst nicht, aber ich bin wegen ihm in Mediendingen auf dem Laufenden.
  • Von Piqd lasse ich mir jeden Tag Empfehlungen aus meinen Interessensbereichen schicken. Einige Leute, die ich kenne und schätze, kuratieren da, aber auch sonst bin ich dankbar für ihren kostenlosen Dienst. Nicht wenige wichtige, interessante Texte finden von dort aus Zugang zu mir.
  • Und einmal in der Woche lasse ich mir von Blendle Texte aus Zeitungen und Zeitschriften empfehlen.

Es gibt daneben natürlich noch zwei, drei Newsletter (viel mehr allerdings auch nicht), die ich abonniert habe. Die tragen allerdings wenig zu meinem Medienkonsum bei, wenn ich ehrlich bin. Und ich habe eine Menge Blogs abonniert, lese aber nur eine Handvoll wirklich regelmäßig.

2. Schritt: Konsum

Die meisten Texte stehen frei im Internet. Es liegt sicher an der Auswahl meiner Quellen, dass ich selten in die Verlegenheit komme, für Geschriebenes bezahlen zu müssen. Aber ab und zu möchte ich doch einmal lesen, was aus Printmedien kommt. Und deshalb folgt jetzt eine Liebeserklärung an Blendle.

Medienhäuser, die professionell Texte erstellen, die mit Menschen arbeiten, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als zu recherchieren, zu hinterfragen und das verständlich aufzuschreiben, sind nicht kostenlos zu haben. Das will ich auch gar nicht. Was mich jedoch stören würde, wäre eine Verpflichtung, mehrere Zeitungen und Zeitschriften zu abonnieren (auf Papier oder online), nur weil ich hoffe, ab und zu etwas interessantes darin zu lesen.

Blendle lässt mich einzelne Artikel aus den Angeboten herauspicken. Natürlich ist das verhältnismäßig teuer, wenn man für drei, vier Seiten aus einer Zeitschrift 80 Cent bezahlen muss (die Preise variieren stark). Aber insgesamt gebe ich seit der Einführung von Blendle weniger Geld für meinen Zeitungs- und Zeitschriftenkonsum aus als vorher. Dabei habe ich allerdings ein wesentlich breitere Auswahl und ärgere mich – auch dank der Rückgabefunktion – nicht mehr über unnütze Ausgaben.

Blendle macht mit Journalismus, was iTunes mit der Musik machte. Ich kaufe heute nur noch selten Musikalben, sondern Titel, die mir gefallen. Analog dazu muss ich mir nicht mehr eine ganze Zeitschrift kaufen oder ein Online-Abo abschließen, wenn mich ein Text interessiert.

Blendle macht den Journalismuskonsum leichter

Ich möchte das an einem Beispiel von heute festmachen. Mich interessierte das Interview aus der Süddeutschen Zeitung mit Martin Sonneborn. Es wurde mir bei Piqd empfohlen, nachdem es mir schon auf Facebook in die Timeline gespült wurde. Ich klickte also auf den Link und landete bei sueddeutsche.de, wo man mir ein Abonnement nahelegte. Ich war schon im Eingabeformular für ein kostenloses Probeabo und dachte nach: Soll ich jetzt alle meine Daten preisgeben, um mich in Zukunft mit Newslettern oder sogar Werbeanrufen drangsalieren zu lassen? Nur für diesen einen Text? Und dann fiel mir wieder Blendle ein, wo ich einmal kurz "Sonneborn" in die Suche tippte und 79 Cent später das Interview lesen konnte.

Tatsächlich verbringe ich seit der Einführung dieses Bezahldienstes das erste Mal seit der Kündigung meines Spiegel-Abos wieder mehr Zeit mit bezahltem Journalismus. Es ist nämlich das gleiche wie damals mit der Musik: Wenn es einen einfachen und unkomplizierten Weg gibt, dafür zu bezahlen, dann mache ich es auch. Weil es viel schöner ist, legal und mit gutem Gewissen etwas zu konsumieren. Aber dafür muss eben die Hürde niedriger sein als bei der Alternativoption – die bei Journalismus übrigens immer war: Warten darauf, dass der Text online erscheint oder gar nicht lesen.

Beitragsbild: Oliver Klein, Unsplash

33 KOMMENTARE

  1. Blendle scheint genau der Newsag­re­ga­tor zu sein, der mir schon lange vor­schwebt. Alter­na­tiv könn­ten sich die „Gro­ßen“ zusam­men­tun und ein Kombi-Abo her­aus­ge­ben, denn nie­mand liest Zei­tun­gen ganz....
    Danke für den Post.

    • Sehr gerne. :) Bei Blendle enga­gie­ren sich ja auch alle gro­ßen Ver­lage, soweit ich das über­bli­cke. Es ist halt aller­dings ein exter­ner Dienst­leis­ter – was ich per­sön­lich vor­teil­haft finde, weil es die Unab­hän­gig­keit bei der Aus­wahl erhöht.

  2. Blendle scheint da eine Lücke aus­ge­füllt zu haben. So wie Du es beschreibst, ist es bei mir 1:1 (inklu­sive der Kün­di­gung des Spiegel-Abos). Und die Kos­ten gehen auf­grund der geziel­ten Lek­türe in mei­nen Augen voll­kom­men in Ord­nung.

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