29. Juli bis 4. August: Meine Friseurin ist weg

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Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht, aber ich gehe echt ungern zum Fri­seur. Mir behagt es nicht, so aus­ge­lie­fert zu sein, mir behagt der Zwang zum Small­talk nicht und mich beglei­tet immer die Furcht, danach nicht gut aus­zu­se­hen. Umso wich­ti­ger ist es, eine Per­son mit schar­fem Instru­ment an mei­nem Kopf zu wis­sen, der ich ver­trau­en kann, mit der ich mich nicht ganz so hilf­los und unwohl füh­le. Des­halb trifft es mich hart, dass mei­ne Stamm­fri­seu­rin nun ein­fach weg ist. Sie ver­ab­schie­de­te sich auf eine für ihre Arbeit­ge­be­rin unschö­ne Art, sodass die­se mir nicht ein­mal sagen könn­te, wohin, selbst wenn sie es woll­te.

Es war erst die zwei­te Fri­seu­rin über­haupt, mit der ich so eine Ver­trau­ens­be­zie­hung über Jah­re auf­ge­baut hat­te. Die ers­te habe ich ver­las­sen, als ich nicht mehr in Köln arbei­te­te. Sie war bis­lang die ein­zi­ge, mit der ich mehr als Small­talk füh­ren konn­te, mit der ich schon fast freund­schaft­lich ver­bun­den war, auch wenn wir uns nur alle sechs Wochen sahen. Und trotz­dem muss ich zuge­ben, mich damals genau­so sang- und klang­los ver­ab­schie­det zu haben, ihr auch nicht auf Wie­der­se­hen gesagt zu haben. Ich darf mich heu­te also nicht beschwe­ren, das ist Kar­ma.

In der letz­ten Woche war ich also wie­der mit Unwohl­sein beim Haa­re­schnip­peln. Die Neue mach­te ihren Job nicht schlecht, aber auch nicht den Ein­druck, als wäre da mehr drin als größ­ten­teils stum­mes Hand­werk. Es macht mir aller­dings auch nichts aus, eine Zeit lang zu schwei­gen.

Ich wäre übri­gens ohne Wei­te­res bereit, das Dop­pel­te für einen Fri­seur­be­such zu bezah­len, wenn ich mich da voll­kom­men wohl und gebor­gen fühl­te. Viel­leicht ein Fri­seur mit ange­schlos­se­ner Bar, der mich mit einem Bier in der Hand begrüßt, Fuß­ball ein­schal­tet und mich dann in Ruhe lässt oder so. Gibt es das in mei­ner Nähe irgend­wo?

* * *

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2 KOMMENTARE

  1. Ich gehe auch sehr ungern.
    Bis­her hat sich nie­mand nett mit mir unter­hal­ten. Fast immer muss ich ste­hen. Jetzt habe ich end­lich eine gefun­den, bei der ich sit­zen blei­ben darf.
    Ande­re erzäh­len immer, dass sie zum Ent­span­nen hin­ge­hen, mir ein Rät­sel.

    Ich bin ehr­lich froh, dass ich nicht wie du alle sechs Wochen hin muss.
    Viel Glück dabei eine neue Ver­trau­ens­per­son zu fin­den!

    Lie­be Grü­ße
    Ste­pha­nie

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