Euro 2012, Gruppe B, Spieltag 1

Deutschland 1gegenPortugal 0

Man hört ja, wenn man so mit den Leu­ten spricht, viel Ent­täu­schung über das mage­re 1:0 Deutsch­lands gegen Por­tu­gal. Ich dage­gen bin nun hoff­nungs­voll. Denn mit dre­cki­gen 1:0-Siegen wird man Euro­pa­meis­ter, nicht mit schö­nem, offen­si­ven Spiel – damit wird man höchs­tens Vize.

Ich habe ges­tern das ers­te non-public viewing hin­ter mich gebracht, war also zu Gast bei einer Trup­pe mir vor­her zum Groß­teil nicht bekann­ter Men­schen, die sich einen Bea­mer und eine Lein­wand ange­schafft haben, um Das Ers­te HD in ange­mes­se­ner Grö­ße zu pro­ji­zie­ren. Ich wur­de erschla­gen von einem Raum, der auf die Leind­wand und den davor auf einem Steh­tisch tra­pier­ten Bea­mer opti­miert wur­de und komisch ange­se­hen, weil ich nicht in Schwarz-Rot-Gold, son­dern in T-Shirt-Jeans geklei­det war.

Non-public view­ing (nicht-öffentliche Lei­chen­be­schau) bei Deutsch­land gegen Portugal
Non-public view­ing (nicht-öffentliche Lei­chen­be­schau) bei Deutsch­land gegen Portugal

Ein Erleb­nis ande­rer Art, mal wie­der mit dem Volk™ Fuß­ball zu gucken.

  • »Das war doch klar Rot!«
  • »Woher kommt der Schiri?«
    »Ungarn, glau­be ich.«
    Wenig spä­ter erwähnt der Kom­men­ta­tor1 die fran­zö­si­sche Her­kunft des Schiedsrichters.
    »Ah, also doch Frankreich.«
    »DAS ERKLÄRT SO EINIGES!!!1elf«
  • »Wie­so spielt Klo­se heu­te eigent­lich nicht?«
    »Ja! Der hat doch heu­te Geburtstag!«
    »Dafür kann er auch ger­ne den Gomez raus­neh­men, der trifft doch eh nicht.«

Ach ja, es war schön. Man fragt sich ja manch­mal, wie­so alle zu den gro­ßen Männer-Fußballturnieren immer so rich­tig aus­ti­cken, Deutschland-Fähnchen schwen­ken und mit so genann­ter Fan-Schminke sich die Wan­gen ver­zie­ren. Herm hat das recht wun­der­bar beschrieben:

Aber Groß­ereig­nis­se wie EM und WM sind da eben auch der Aus­nah­me­zu­stand. (…) Man schaut jedes Wochen­en­de Fuß­ball und bei einer EM /WM ist es dann plötz­lich so, als wür­de man sei­nen Geographie-Lehrer im Publi­kum beim Kon­zert der Lieb­lings­band sehen.

Nur bei so einem Tur­nier ist man sich größ­ten­teils über die Fan­zu­ge­hö­rig­keit einig, jubelt man plötz­lich sogar, wenn Bayern-Spieler ein Tor schie­ßen und kann sich so wun­der­bar dar­auf eini­gen, sich gemein­sam vor einer gro­ßen Lein­wand ein­zu­fin­den, um gemein­sam etwas zu sehen, zu kom­men­tie­ren und gut zu finden.

Das gemein­sa­me Erleb­nis ist das Zweit­wich­tigs­te bei einer EM. Gleich nach dem Fußball.

Was letz­te­ren angeht: Ich neh­me mei­nen Tipp zurück, dass Nie­der­lan­de Euro­pa­meis­ter wird.

  1. Wo wir uns gera­de über unqua­li­fi­zier­te Kom­men­ta­re lus­tig machen: Was für den gemei­nen Freizeit-Fan der Unmut über den Schieds­rich­ter, ist für den Pro­fi das Läs­tern über den Kom­men­ta­tor.
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