re:publica 14

Ich habe die­ses Jahr ver­gleichs­wei­se wenig Ses­si­ons besucht, weil – weil – na, weil da so vie­le tol­le Men­schen waren! Ganz vie­le alte Bekann­te, vie­le neue Bekann­te, Bon­ner, Ber­li­ner, Wies­ba­de­ner, Han­no­ve­ra­ner, Bre­mer, Ham­bur­ger, Mün­che­ner, sogar Mann­hei­mer, Iron­blog­ger und über­haupt alles, was einen Inter­net­an­schluss hat. Dafür hat sich die­ser anstren­gen­de Aus­flug alle­mal gelohnt.

Gesehenes

Aber ich habe wie gesagt auch eini­ges gese­hen und in bes­ter Tra­di­ti­on (also seit dem letz­ten Jahr) bemü­he ich mich, die Vide­os dazu ein­zu­sam­meln, damit ihr auch etwas davon habt. Soweit vor­han­den natür­lich.

Geh mir weg mit BarCamp! (Stefan Evertz, Vivian Pein, Stefanie Aßmann, Florian Krakau)

(Lei­der kei­ne Auf­zeich­nung vor­han­den.)

Mei­ne re:publica begann mit Bar­camps. Ste­fan Evertz erklär­te der ver­sam­mel­ten Gemein­de (der klei­ne Saal war voll), was Bar­camps sind und stell­te dann das The­ma Ein­tritts­prei­se zur Dis­kus­si­on. Anschlie­ßend wur­den die ande­ren drei Anwe­sen­den inte­griert, die per­sön­li­che Ansich­ten zu Bar­camps bei­tra­gen durf­ten.

Lei­der war das Publi­kum ziem­lich homo­gen. Gefühlt wuss­ten alle, was Bar­camps sind, und das eigent­lich strit­ti­ge The­ma Ein­tritts­prei­se wur­de auf eine Fra­ge hin­un­ter­ge­bro­chen: Ein­tritt ja oder nein? Dabei wäre die sinn­vol­le­re Fra­ge gewe­sen: Ab wel­chem Betrag ver­schlie­ße ich die Türen für Pri­vat­in­ter­es­sier­te, Stu­die­ren­de und ande­re Ziel­grup­pen? Oder genau­er: Ab wel­chen Betrag ist ein Bar­camp eigent­lich nur noch eine Fach­kon­fe­renz ohne Pro­gramm?

Aber nun gut, es war kurz­wei­lig, ich bin gut in die re:publica rein­ge­kom­men und Vivi­an war so nett, mir nach­her noch für mei­ne Master-Arbeit ein Inter­view zu geben, was ich immer noch ganz toll fin­de.

Geschichte twittern: Wie, was, wann? (Moritz Hoffmann, Charlotte Jahnz)

Eine der abso­lu­ten Pflicht-Sessions war natür­lich die von Char­lot­te und Moritz über ihren Geschichts-Twitter-Account @9nov38. Nicht, dass die bei­den mir etwas gänz­lich Neu­es erzählt hät­ten, aber es war zum einen schön, noch ein­mal zu sehen, wie bei­spiel­haft das Pro­jekt auf­ge­zo­gen wur­de, und zum ande­ren, wie groß­ar­tig das Inter­es­se des Publi­kums war. Der Saal war bre­chend voll, alle saßen mit ihren Kopf­hö­rern da (Erklä­rung im Tech­nik­ta­ge­buch) und Char­lot­te und Moritz hat­ten im Anschluss noch so eini­ge Inter­views zu geben. Sehr, sehr fein.

Looking for Freedom (Mikko Hypponen, David Hasselhoff)

Eine Sache, die ich bis unge­fähr 16:30 Uhr am ers­ten Tag hör­te: „Zu David Has­sel­hoff gehe ich nach­her auf jeden Fall! Woo­hoo!“ Auch ich woll­te den Held mei­ner Kind­heit auf der Büh­ne sehen, auch wenn er vor­her schon zwei Mal an mir vor­bei­ge­lau­fen war – etwas, das ich mei­nen Enkeln noch erzäh­len kann. Um 16:30 Uhr war Has­sel­hoff seit einer Vier­tel­stun­de auf der Büh­ne und die Saal­flucht begann. Am Ende der Ses­si­on war nicht ein­mal mehr als die Hälf­te der Teil­neh­mer im Saal. Das lag ganz ein­fach dar­an, dass die­se Prä­sen­ta­ti­on nichts wei­ter als eine schlecht gemach­te Wer­be­ver­an­stal­tung für eine Anti­vi­ren­soft­ware­fir­ma war, deren Mas­kott­chen The Hoff ist. Scha­de, weil es das auch schwer macht, die Besu­cher zukünf­ti­ger re:publicas davon zu über­zeu­gen, dass gro­ße Stars viel­leicht auch mal wirk­lich was zu sagen haben.

Rede zur Lage der Nation (Sascha Lobo)

Das ist geschum­melt, ich war näm­lich gar nicht dort. Es ist bloß die ein­zi­ge Ses­si­on, die ich bis­her nach­ge­holt habe. Um genau zu sein, direkt am nächs­ten Mor­gen. Inhalt­lich haben ande­re Sascha schon wesent­lich bes­ser wie­der­ge­ge­ben und erklärt, als ich das je könn­te. Bei mir ist nur Rat­lo­sig­keit geblie­ben. Es wur­den vie­le Fra­gen auf­ge­wor­fen und eini­ge For­de­run­gen gestellt, aber kon­kre­te Plä­ne (außer spen­den und mit Poli­ti­kern reden) habe ich nicht ver­nom­men.

Pledge, Turn, Prestige - The Snowden Pitch (Marcus John Henry Brown)

Ein wei­te­res High­light  die­ser re:publica und ein guter Grund, Sascha Lobo nicht live zu sehen. Mar­cus hat die abso­lut rich­ti­ge Mischung aus Witz, Wahr­heit und Wirk­lich­keit gewählt bei sei­ner Sati­re. Also das, was man wohl bri­ti­schen Humor nennt, auf die sym­pa­thi­sche Wei­se rüber­ge­bracht, die man wohl Mar­cus nennt. Ich möch­te sol­che Vor­trä­ge bit­te ab sofort jeden Monat!

Big Data? Intelligente Maschinen! (Yvonne Hofstetter)

War die hal­be Stun­de ver­schenkt? Nein. War ich rest­los begeis­tert? Auch das nicht. Yvon­ne Hof­stet­ter gab Ein­blick in die Wall Street und führ­te deut­lich vor Augen, wie gefähr­lich es sein kann, wenn man die Com­pu­ter ein­fach machen lässt. Acht­zig Pro­zent des Bör­sen­han­dels an der Wall Street fin­det ohne mensch­li­ches Zutun statt und kann soge­nann­te „flash cras­hes“ zur Fol­ge haben; also das abrup­te, in Mil­li­se­kun­den statt­fin­den­de Absin­ken von Kur­sen von meh­re­ren Pro­zent, was Mil­lio­nen Dol­lar Scha­den ver­ur­sa­chen kann. Sie fand den Bogen zu Big Data und warn­te davor, wie vie­le Daten unkon­trol­liert bei Pri­vat­un­ter­neh­men lagern und wel­che Gefahr davon aus­geht. Nick­te ich bis dahin öfter mal, schüt­tel­te ich jedoch beim letz­ten Schritt hef­tig den Kopf. Hof­stet­ter ver­lang­te tat­säch­lich, dass der Staat die Hoheit über Big Data erhält. Ein Schluss, dem ich nicht fol­gen will.

Wer archiviert das Internet? (Paul Klimpel, Alexis Rossi, Elisabeth Niggemann)

Es ist eine inter­es­san­te Fra­ge, wie man elek­tro­ni­sche Daten archi­vie­ren soll, ins­be­son­de­re in Hin­blick auf die schie­re Mas­se. Die Deut­sche Natio­nal­bi­blio­thek, erklär­te Ver­tre­te­rin Eli­sa­beth Nig­ge­mann, hat den gesetz­li­chen Auf­trag, alle deut­schen Wer­ke zu sichern, kann das aber zur­zeit nur für phy­si­sche Erzeug­nis­se garan­tie­ren. Alexis Ros­si vom Inter­net Archi­ve zeig­te, wie groß deren Daten­schatz mitt­ler­wei­le ist – und wie viel mehr noch fehlt. Sehr inter­es­sant eigent­lich.

Aber ins­ge­samt war die­se Ses­si­on so schreck­lich, dass ich tat­säch­lich vor­zei­tig gegan­gen bin. Der Elan des Mode­ra­tors war wohl noch im Rei­se­ge­päck und auch Nig­ge­mann hat so inter­es­sant vor­ge­tra­gen, dass ich mich ins Bett zurück­wünsch­te. Der Drit­te im Bun­de, ganz rechts auf der Büh­ne, habe ich über­haupt nicht reden gehört und ich weiß bis heu­te nicht, wer der bei­den Män­ner Paul Klim­pel ist, weil sich kei­ner der bei­den vor­stell­te. Ins­ge­samt eine Beispiel-Session, wie man sich bes­ser nicht auf einer gro­ßen Büh­ne ver­hält. Scha­de um das gute The­ma.

Ist die Gesellschaft reif für autonomes Fahren? (Walter Matthias Kunze, Helmuth Ritzer, Prof. Tobias Wallisser, Stefanie Söhnchen)

Außer dem ers­ten Bei­trag vom Trendquest-Typen war das eine sehr inspi­rie­ren­de Run­de mit inter­es­san­ten Zukunfts­vi­sio­nen. Die Fra­ge, wie auto­no­mes Fah­ren uns, unser Ver­hal­ten, unse­re Städ­te und Infra­struk­tur ändern könn­te, fand ich sehr schön. Es war kein Fach­ju­beln, auch wenn ein Daimler-Vertreter dabei war, son­dern es war eine offen geführ­te Dis­kus­si­on mit vie­len Wenn und Abers.

Ein blindes Huhn ist kein Ponyhof: Mit Schabernack auf Wortschatzsuche (Wibke Ladwig)

Ein ganz gro­ßes High­light war auch wie­der Wib­kes Vor­trag. Obwohl es ja nur im Rand­be­reich etwas mit Netz­kul­tur und Inter­net zu tun hat, war es den­noch eine sehr gut besuch­te Ses­si­on. Und Wib­ke rock­te den vol­len Saal natür­lich. Fan­tas­tisch.

Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben (Felix Schwenzel)

Wie immer lohn­te es sich total, Felix reden zu sehen. Ich bin immer wie­der auf­rich­tig begeis­tert, wie er es schafft, mit sei­ner schnor­ri­gen Art, die gegen alles spricht, was man in den Prä­sen­ta­ti­ons­se­mi­na­ren die­ser Welt lernt, immer ganz genau den Punkt zu tref­fen. Ich habe sel­ten Vor­tra­gen­de erlebt, die einen so fes­seln kön­nen, weil sie ein­fach was zu sagen haben und das mit den rich­ti­gen (!) Foli­en unter­ma­len.

Ja, und inhalt­lich war es natür­lich auch super. Natür­lich war auch er schon wit­zi­ger, aber ers­tens brach­te er trotz­dem noch den einen oder ande­ren Gag unter und zwei­tens wäre es auch ein­fach nicht ange­mes­sen gewe­sen. Gefähr­lich fand ich es auch, die Bür­ger­rechts­be­we­gung der afro­ame­ri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung in den Sech­zi­gern mit unse­rem Kampf für ein frei­es Inter­net zu ver­glei­chen. Aber es gilt das oben Gesag­te: Er traf den Punkt.

Noch nicht Gesehenes (aber bald, vielleicht, bestimmt)

Die­se Ses­si­ons pla­ne ich per Video nach­zu­ho­len. (Die Rei­hen­fol­ge ent­spricht unge­fähr dem Ses­si­onplan.)

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