Innenhof rp15

Ja, die re:publica ist schon wie­der zehn Tage alt, das weiß ich. Es gibt gute Grün­de, dass ich so lan­ge mit dem end­gül­ti­gen re:view gewar­tet habe. Sie haben rein gar nichts mit der re:publica zu tun. (Reviews der Ses­si­ons: Tag 1, Tag 2, Tag 3)

Auf der großen Showbühne

Die dies­jäh­ri­ge re:publica war in eini­ger Hin­sicht neu für mich. Zum ers­ten Mal war ich auf einer Büh­ne, zum Glück nur als klei­ner Teil des Tech­nik­ta­ge­buchs, denn mich hat die­se Situa­ti­on über­ra­schend über­for­dert. Ich habe schon öfter zu Men­schen gespro­chen, auch schon vor kom­plett frem­den Publi­kum, auch schon vor mehr als ein­hun­dert Men­schen. Die­se re:publica-Bühne jedoch, wo man nichts als Schein­wer­fer sieht, war neu. Erst bei der Vor­stel­lung der öster­rei­chi­schen Tele­fon­kar­te hat­te ich mich lang­sam akkli­ma­ti­siert und ich glau­be, das sieht man auch.

Es war eine wert­vol­le Erfah­rung und es war davor und danach vor allem ein Rie­sen­spaß. Die Ses­si­on war als Enter­tain­ment aus­ge­rich­tet, sie war mit vol­ler Absicht in den Abend des zwei­ten Tages gelegt wor­den. Wie aus den mich erreich­ten Rück­mel­dun­gen her­vor­geht, hat sie ihren Auf­trag gut erfüllt.

Publikum rp15
Publi­kum wäh­rend der Technikmuseum-Session (Foto: Tho­mas Ren­ger, CC-BY-SA)

Blöd war, dass die nächs­te Ses­si­on mit mei­ner Betei­li­gung schon um zehn Uhr des nächs­ten Tages war. Da lern­te ich noch viel mehr. In einer unvor­sich­ti­gen Minu­te habe ich mich vor eini­ger Zeit als Orga­ni­sa­tor die­ser Ses­si­on vor­ge­schla­gen, was offen­bar auch bedeu­te­te, dass ich die Mode­ra­ti­on über­neh­men durf­te. Ich war auf die­ses Amt weder genü­gend vor­be­rei­tet, noch wach genug, um das spon­tan zu über­spie­len. Hin­zu kam, dass der Work­shop­cha­rak­ter der „TTIP“-Session ver­lang­te, dass sich das Publi­kum trotz der frü­hen Stun­de aktiv betei­lig­te. Es war in mei­nen Augen alles äußerst zäh und konn­te in kei­ner Wei­se mit der Vor­abend­ses­si­on mit­hal­ten. Trotz­dem haben wir ins­ge­samt 22 Geschich­ten für das Tech­nik­ta­ge­buch ein­ge­fan­gen, auch eini­ge von bis dahin noch nicht exis­tie­ren­den Auto­rin­nen und Auto­ren.

TTIP-Session
Aufschreibe-Session (Foto: Tho­mas Wie­gold, CC-BY-NC-SA)

Wenig nachzuholen

Abge­se­hen von mei­ner akti­ven Betei­li­gung war ich auch die­ses Jahr vor allem natür­lich Besu­cher. Ich habe mich wie­der sehr viel mit sehr inter­es­san­ten Men­schen unter­hal­ten. Geär­gert habe ich mich, dass so vie­le Ses­si­ons, die ich nicht live sehen konn­te, nicht auf Video auf­ge­zeich­net wur­den. Ver­mut­lich wur­de in den Vor­jah­ren auch nicht mehr auf­ge­zeich­net, aber ich fin­de es bedau­er­lich, dass gera­de die klei­nen Ses­si­ons, in die man teil­wei­se auch gar nicht mehr rein kam, nicht mehr nach­zu­ho­len sind. Ein Luxus­pro­blem, klar, bei ande­ren Kon­fe­ren­zen wür­de ich mich ver­mut­lich gar nicht dar­über ärgern, weil die nicht ein­mal einen Youtube-Account haben.

Wie dem auch sei, man geht nicht nur zur re:publica, um sich mög­lichst vie­le Ses­si­ons anzu­se­hen, son­dern vor allem, um mög­lichst vie­le Men­schen zu tref­fen. Zu kei­ner ande­ren Gele­gen­heit sonst trifft man sei­ne Fil­ter­bla­se so kon­zen­triert wie an die­sen drei Tagen. Die­se zahl­rei­chen Gesprä­che sind toll. Sie stren­gen aber auch unheim­lich an. Ich wer­de nie wie­der den Feh­ler machen, direkt im Anschluss in einen Sight­see­in­gur­laub zu star­ten. Man braucht nach einer re:publica ein paar Tage, um wie­der run­ter­zu­kom­men.

Limousinenfahrt

Nicht uner­wähnt möch­te ich aus zwei­er­lei Grün­den las­sen, dass ich vom Flug­ha­fen zum Hotel und umge­kehrt von einer schwar­zen S-Klasse mit Chauf­feur gefah­ren wur­de. Der eine Grund ist, dass ich ger­ne ange­be, der ande­re, dass mich der Anbie­ter Black­la­ne zu die­sen Pro­be­fahr­ten ein­ge­la­den hat. Letzt­lich ist Blacklane-Fahren eine bestell­te Taxi­fahrt, aber eben für Leu­te wie mich, die sich ger­ne wich­tig füh­len.

Blacklane-Fahrt in der Innenansicht

Ich fand den Ser­vice beein­dru­ckend ein­fach. Ich gab auf der Web­site an, von wo nach wo und wann ich gefah­ren wer­den möch­te und konn­te aus­wäh­len zwi­schen einem Klein­bus, einer E-Klasse oder einer S-Klasse (schwarz sind die Autos alle, der Anbie­ter heißt ja nicht Bluela­ne). Etwa eine Stun­de vor der Fahrt erfuhr ich jeweils per E-Mail und SMS, wie mein Fah­rer hei­ßen wird und unter wel­cher Han­dy­num­mer er erreich­bar ist. Am Flug­ha­fen wur­de ich mit Namens­schild abge­holt. Im sau­be­ren Fahr­zeug gab es Was­ser und Hari­bo. Der Fah­rer war nett und zuvor­kom­mend und wuss­te vor allem, wann er schwei­gen muss­te. Im Gegen­satz zu Taxi­fah­rern muss­te ich ihm nicht ein­mal den Weg erklä­ren.

Apro­pos Taxi­fahrt. Für eine sol­che hät­te ich auf der Stre­cke um die 25 Euro bezahlt, für die Blacklane-Fahrt das Dop­pel­te, die E-Klasse wäre ein wenig güns­ti­ger gewe­sen. Man muss halt wis­sen, ob einem ein sol­cher Ser­vice das wert ist. Mir per­sön­lich ist das zu viel Geld für einen Men­schen mit iPad-Namensschild, Anzug und schwar­zem Mer­ce­des; aber ich muss zuge­ben, dass man sich schon ein biss­chen wich­tig fühlt in so einer Limou­si­ne mit Chauf­feur.

Alles in allem

Die letz­ten Jah­ren reis­te ich meis­tens über Schö­ne­feld mit der Bahn nach Ber­lin, das war wesent­lich umkom­for­ta­bler. Aber egal, wie ich dort­hin gekom­men bin, die re:publica bleibt eine wich­ti­ge Ver­an­stal­tung. Ich fand bedau­er­lich, dass ein­zel­ne Per­so­nen laut­stark abge­sagt haben. Die Unken­ru­fe, dass die Rele­vanz der Kon­fe­renz damit dahin sei, kann ich jedoch nicht nach­voll­zie­hen. Viel­leicht haben wir jetzt das Pla­teau erreicht, ande­rer­seits ist die re:publica auch 2015 wie­der gewach­sen und wird das nächs­tes Jahr erneut tun. Es kann gut sein, dass man die Kusche­lig­keit ver­misst und die Busi­ness­kas­per (leicht zu erken­nen am Out­fit) mehr wer­den, aber das ändert erst ein­mal nichts an der Rele­vanz. Nächs­tes Jahr wer­de ich ziem­lich sicher wie­der da sein und ich glau­be, eini­ge ande­re auch (wie­der).

Titel­fo­to: Tho­mas Wie­gold, CC-BY-NC-SA

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