Wappen 1. FC NürnbergDer zwei­te Ver­such in der Zwei­ten Bun­des­li­ga star­tet in einer Woche. Geht man nach Markt­wert und Mög­lich­kei­ten, aber auch nach Ambi­tio­nen (zumin­dest auf Sei­ten der Fans), muss der 1. FC Nürn­berg in der kom­men­den Sai­son 2015/16 zu den Auf­stiegs­kan­di­da­ten gehö­ren – direkt hin­ter Abstei­ger Frei­burg und Brau­se­ver­ein Leip­zig. Dass alles immer anders kommt, als man sich das vor­her gedacht hat, wis­sen aber alle drei eben Genann­ten aus der letz­ten Spiel­zeit.

Fol­ge­rich­tig gibt die Club-Führung selbst­be­wusst das Ziel „obe­res Tabel­len­drit­tel“ aus. Eben­so fol­ge­rich­tig sind die Inves­ti­tio­nen in den Kader. Nach dem erzwun­ge­nen Kom­plett­um­bau vor einem Jahr reich­ten die­ses Mal Kor­rek­tu­ren an ein­zel­nen Stel­len. Sehen wir uns das mal ein wenig genau­er an.

Abgänge

  • Javier Pinola
    Javier Pino­la (Foto: Fran­co­nia, CC-BY-SA)
    Javier Pino­la ist weg. Zehn Jah­re kick­te der Wahl­nürn­ber­ger für den Club, er ist einer der Pokal­hel­den von 2007. Dann ver­wei­ger­te man ihm in der zwei­ten Ver­hand­lungs­run­de ein Ange­bot und ließ ihn gehen. Mit allen mili­tä­ri­schen fuß­bal­le­ri­schen Ehren (Block­be­nen­nung, Abschieds­spiel, vie­le Trä­nen), aber nicht im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis. Ver­mut­lich sind die Wogen mitt­ler­wei­le wie­der ein wenig geglät­tet und man mun­kelt, dass Pino nach sei­nem Kar­rie­re­ab­schied in Argen­ti­ni­en min­talmäßig in ande­rer Funk­ti­on zum Club zurück­kehrt.
  • Ondrej Celust­ka arbei­tet in der kom­men­den Sai­son wie­der in der tür­ki­schen Süper Lig. Celust­ka spiel­te bei Trai­ner Wei­ler offen­bar kei­ne so wich­ti­ge Rol­le, als dass man ihm einen Ver­bleib nahe­ge­legt hät­te. Der Wech­sel kam aber zumin­dest für mich doch über­ra­schend. Auch wenn Celust­ka offen­siv schwach war, gab er immer­hin der viel beschäf­tig­ten Abwehr den nöti­gen Halt.
  • Peni­el Mla­pa kehrt erwar­tungs­ge­mäß zurück nach Mön­chen­glad­bach, von wo er aus­ge­lie­hen war. Er war nicht der effek­ti­ve Stür­mer, den man mit allem Geld der Welt hal­ten will. Zumal er sicher­lich auch nicht ohne Wei­te­res zu hal­ten gewe­sen wäre.
  • Antonio-Mirko Colak, einer der „ewi­gen Talen­te“, bleibt nach dem Ende der Lei­he für eine hal­be Mil­li­on Zło­ty Euro in der ers­ten pol­ni­schen Liga. Ich bin nicht Fach­mann genug für ein abschlie­ßen­des Urteil, habe aber immer­hin genug Mei­nung. Und die sagt, Colak hat­te genug Chan­cen für einen Durch­bruch, die er nicht nach­hal­tig nutz­te. Wenn dann jemand kommt und mit Geld­schei­nen wedelt, dann ist es wohl für alle Sei­ten am bes­ten, das Kapi­tel zu been­den.
  • Adri­an Nik­ci kam in Nürn­berg nie rich­tig an und ver­sucht nun bei Uni­on Ber­lin einen Neu­start.
  • Mar­kus Mend­ler (ablö­se­frei) und Tobi­as Pacho­nik (Lei­he) kom­men in der Drit­ten Liga bei den Stutt­gar­ter Kickers unter. Auch Mend­ler ist so ein ewi­ges Talent, der sei­ne Ein­satz­zei­ten hat­te. Beim 20-jährigen Pacho­nik steht wohl eher das The­ma Spiel­pra­xis im Vor­der­grund.

Zugänge

  • Thorsten Kirschbaum
    Thors­ten Kirsch­baum (Foto: Jeol­lo, CC-BY-SA)
    Die Num­mer eins ist nicht mehr Rapha­el Schä­fer (der zur­zeit sowie­so ver­letzt ist) und nicht Patrick Rakovs­ky, der in der ver­gan­ge­nen Sai­son sei­ne Chan­ce lei­der mehr­fach ver­geig­te. Der neue Stamm­tor­hü­ter ist Thors­ten Kirsch­baum, der nach einem Ablö­sehick­hack vom VfB Stutt­gart kommt, wo er die Num­mer zwei war. Die Erwar­tun­gen sind hoch, wahr­schein­lich sogar auf bei­den Sei­ten.
  • Der Islän­der Rúrik Gís­la­son kommt neu für das Mit­tel­feld und ist einer der viel­ver­spre­chens­ten Neu­zu­gän­ge für die Offen­si­ve. Er wir­bel­te bereits in den Test­spie­len umher und mach­te einen ange­neh­men Ein­druck.
  • Laszlo Sep­si ist der Pinola-Nachfolger. Er war einer der ers­ten Neu­zu­gän­ge, die bekannt wur­den, und auch einer der ers­ten, die sich ver­letz­ten. 20 Minu­ten dau­er­te sein ers­ter Test­stpiel­ein­satz. Es scheint zum Glück nichts Grö­ße­res zu sein, aber ein paar Wochen fällt er aus und dürf­te zum Sai­son­start nicht dabei sein.
  • Ste­fan Kutsch­ke soll ganz vor­ne für Unru­he sor­gen, hat­te aber in der Ver­gan­gen­heit eine ziem­lich mage­re Aus­beu­te für einen Stür­mer. Wie der „Kicker“ lako­nisch anmerkt: „Auch ein Stür­mer, des­sen pri­mä­re Qua­li­tät nicht das Erzie­len von Toren ist, kann eine Berei­che­rung sein - so die Über­zeu­gung am Valz­ner­wei­her.“ Tja.
  • Der Trans­fer von Tim Lei­bold stand schon zur Win­ter­pau­se fest. Der 21-Jährige soll die Abwehr stär­ken. Er kommt von der Stutt­gar­ter U23.
  • Han­no Beh­rens stieg mit Darm­stadt in die Bun­des­li­ga auf und wech­sel­te dar­auf­hin zum Club, Platz 9 in Liga zwei. Klingt komisch? Fin­de ich auch. Zu Beh­rens’ Ver­tei­di­gung muss man jedoch dazu­sa­gen, dass sei­ne Darm­aus­schei­dung – Ver­zei­hung, sein Abschied aus Darm­stadt schon im April fest­stand. Damals war ein Auf­stieg noch nicht unwahr­schein­lich, aber auch nicht zwangs­läu­fig.
  • Kevin Möh­wald kommt aus Erfurt und mehr weiß ich auch nicht über ihn. Offen­siv soll er wohl spie­len, aha, aha.

Der Kader

Das Team mit Stand Mit­te Juli sieht so aus:

#1 Schä­fer, Rapha­el
#22 Rakovs­ky, Patrick
#26 Kirsch­baum, Thors­ten
#3 Hov­land, Even
#4 Bul­thuis, Dave
#5 Möss­mer, Jür­gen
#6 Sep­si, Laszlo
#16 Stark, Niklas
#23 Lei­bold, Tim
#7 Blum, Dan­ny
#8 Polak, Jan
#9 Burg­stal­ler, Gui­do
#10 Geb­hart, Timo
#14 Möh­wald, Kevin
#15 Koch, Robert
#17 Kerk, Sebas­ti­an
#18 Beh­rens, Han­no
#19 Gís­la­son, Rúrik
#21 Evseev, Wil­li
#24 Füll­krug, Nic­las
#28 Schöpf, Ales­san­dro
#31 Petrak, Ondrej
#11 Syl­vestr, Jakub
#20 Kutsch­ke, Ste­fan
#27 Her­cher, Phil­ipp
#34 Ste­pin­ski, Mari­usz
#36 Teu­chert, Ced­ric

So insgesamt

Tjoa. Der Kader macht nicht den Ein­druck einer Auf­stiegs­mann­schaft. Aller­dings kann man sich im zwei­ten Jahr Unter­haus auch kei­ne gro­ßen Sprün­ge erlau­ben. Es bleibt sowie­so mys­te­ri­ös, was mit den Mil­lio­nen gesche­hen ist, die die Ver­käu­fe vor einem Jahr brach­ten, und die Fra­ge nach den Schwie­rig­kei­ten bei der Lizenz­ver­ga­be für die kom­men­de Spiel­zeit ist auch noch nicht zufrie­den­stel­lend beant­wor­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund ist zumin­dest klar, war­um sich der Kirschbaum-Transfer so lan­ge hin­zog (Stutt­gart woll­te ursprüng­lich deut­lich mehr als ein­hun­dert­tau­send Euro) und wie­so an den ande­ren Neu­zu­gän­gen klei­ne­re oder grö­ße­re Fra­ge­zei­chen hän­gen.

Ande­rer­seits – da muss ich jetzt auch mal den Opti­mis­ten raus­keh­ren – sind es genau sol­che Mann­schaf­ten, auf denen nicht der Rie­sen­druck liegt, die am Ende für Über­ra­schun­gen sor­gen. Über­haupt, Sor­gen: Die mache ich mir nicht. Ob der Auf­stieg gelingt oder ver­passt wird, steht in den Ster­nen. Ich glau­be jedoch nicht, dass wir etwas mit dem Gegen­teil zu tun haben wer­den. Und das wäre doch schon ein­mal ein Fort­schritt.

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Nächs­tes Spiel: Mon­tag, 27. Juli, 20:15 Uhr, aus­wärts gegen Frei­burg

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